Brief
Von Christian Friedrich Schlosser (13. Juni 1814)
G. möge dem Überbringer dieser Zeilen, dem Buchhändler G. Reimer aus Berlin, das den Tod Siegfrieds darstellende Blatt (von P. Cornelius zu "Der Nibelungen Lied") übergeben. Reimer habe die übrigen Blätter bei sich, die G. zum Teil noch nicht kenne. Aus den Zeichnungen zu G.s "Faust" seien jetzt zwei gestochene Blätter angekommen (von Cornelius; vgl. "Bilder zu Goethes Faust"), die von dem aus Mecklenburg stammenden Künstler F. Ruscheweyh in Rom gefertigt worden seien. Dieser habe auch mehrere Handzeichnungen in der Wiener Sammlung des Herzogs Albert von Sachsen-Teschen radiert sowie eine große Platte nach einem Gemälde von Domenichino ausgeführt; vielleicht sei er von daher G. bekannt. - S. lese und genieße den 3. Teil von G.s "Dichtung und Wahrheit". Die von G. gezeigte Hoheit, Klarheit und Ruhe möge als Vorbild wirken und eine dauernde, in die Ferne der Zeiten wirkende Bildung begründen. Die Worte von Erasmus, mit denen er an Luther tadelt, alles Ungewöhnliche noch ungewöhnlicher gemacht zu haben, könnten jetzt hier jedem einfallen. - Wenn sich G. entschließe, in diesem Sommer den Rhein zu besuchen, möchten sie hieran teilhaben. - Empfehlung an G.s Familie und Grüße von S.s Mutter.
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