Normalzeugnis Zeugnis

Italienische Reise. Februar 1788 (WA I 32, 280)

Auf dem venetianischen Platz, wo manche Kutschen, eh’ sie sich den bewegten Reihen wieder anschließen, die Vorbeiwallenden sich zu beschauen pflegen, sah ich den Wagen der Mad. Angelica und trat an den Schlag, sie zu begrüßen. Sie hatte sich kaum freundlich zu mir herausgeneigt, als sie sich zurückbog, um die neben ihr sitzende, wieder genesene Mailänderin Maddalena Riggi mir sehen zu lassen. Ich fand sie nicht verändert: denn wie sollte sich eine gesunde Jugend nicht schnell wieder herstellen; ja ihre Augen schienen frischer und glänzender mich anzusehen, mit einer Freudigkeit, die mich bis in’s Innerste durchdrang. So blieben wir eine Zeitlang ohne Sprache, als Mad. Angelica das Wort nahm und, indessen jene sich vorbog, zu mir sagte: „Ich muß nur den Dolmetscher machen, denn ich sehe, meine junge Freundin kommt nicht dazu auszusprechen, was sie so lange gewünscht, sich vorgesetzt und mir öfters wiederholt hat, wie sehr sie Ihnen verpflichtet ist für den Antheil, den Sie an ihrer Krankheit, ihrem Schicksal genommen. Das erste, was ihr bei’m Wiedereintritt in das Leben tröstlich geworden, heilsam und wiederherstellend auf sie gewirkt, sei die Theilnahme ihrer Freunde und besonders die Ihrige gewesen, sie habe sich auf einmal wieder aus der tiefsten Einsamkeit unter so vielen guten Menschen in dem schönsten Kreise gefunden.“ „Das ist alles wahr“, sagte jene, indem sie über die Freundin her mir die Hand reichte, die ich wohl mit der meinigen, aber nicht mit meinen Lippen berühren konnte.

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