Normalzeugnis Zeugnis

Anonymer Bericht (LHA Weimar Hausarchiv A XXII Carl Friedrich Nr. 581, 3)

Der Triumph der Empfindsamkeit, eine dramatische Grille mit Musik untermischt, von Göthe in den ersten Jahren seiner Anstellung in Weimar auf das Theater gebracht, sollte die in jener Zeit überhand genommene, durch so mancherlei Schriften bewirkte Modeschwärmerei in ihren lächerlichen Übertreibungen darstellen, und der Kammerherr Siegmund von Seckendorf hatte zu diesem Behuf die hierzu erforderliche Musik auf die ergreifendste Weise zusammengesetzt. Bei der ersten Vorstellung ließ der Verfasser die phantastische Rolle Mandandrane durch den Andrason aufführen, welcher als Eremit gekleidet in einem Monolog die traurigste Stimmung über seine unglückliche Ehe aussprach und etwas langweilig anzuhören war, da Göthe, welcher den Andrason selbst vorstellte, bei seinem theatralischen Auftreten oft zu schnell und mithin nicht ganz verständlich sprach, so wie er auch in seinen Bewegungen jederzeit eine gewisse Steifheit beibehielt. Dies war ihm wohl selbst nicht entgangen, und somit erschien bei der zweiten Darstellung der König fortwährend in seinem eigentümlichen Charakter, seine Gemahlin aber als Proserbina, und das schöne Melodram wurde als ein Meisterstück in Text, in der Composition und dem Theaterspiel allgemein bewundert. Die Rollen selbst wurden dargestellt: Andrason, wie bereits gesagt, durch Goethe Mandandrane durch Corona Schroeter Teria durch Mademoiselle Neuhaus Fräulein durch Sophie von Raschau, Minna von Kalb, Karoline von Ilten, Amalie von Lyncker Oronara durch Seidler, Consistorial-Secretär Mercuto durch Aulhorn, Hoftanzmeister Ascalaphus durch Schalling, Privatsecretair des Obermarschalls von Witzleben, nachmaliger Amtmann zu Thalbürgel.

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