Brief

An Sophie von La Roche (Mitte Februar? 1774)

Ich dancke Ihnen liebe Mama für die beyden Briefe, sie haben mir die ganze wahre Lage Ihrer Seele ausgedruckt, und ich binn gewiss dass wenn Sie fortfahren in Ihrem eignen Ton über vorwaltende interressante Gegenstände zu schreiben das Ganze eine fürtreff. Würkung thun muss. Nur müssen Sie mir erlauben dass ich Ihnen über die Verbindung und Stellung der Theile meinen guten Rath ertheile. So ist zum Ex. die Apotheose Brechters im zweyten Briefe evident zu früh. Der Altar muss erst gebaut, geziert und geweiht seyn eh die Reliquien hineinverwahrt werden, und ich wünschte dass die ganze Stelle erst weiter hinten, wenn der Charackter und der Sinn s Rosaliens sich mehr entfaltet haben, eingepflanzt zu sehn, wie ich denn auch mit der süsen Melankolie von verirrter Empfindung die den ersten Brief füllt , das Ganze gewürzt sehn möchte, und Sie bitte wenn es nicht zu sehr ausser der Stimmung ihres Vorsazes liegt, die ersten Briefe mit ganz simplem Detail wo Gefühl und Geist nur durchscheint zu eröffnen. Hier haben Sie alles was ich zu sagen habe. Das liebe Weibgen hat Ihnen was von einer Arbeit geschrieben die ich angefangen habe seit Sie weg sind, würcklich angefangen denn ich hatte nie die Idee aus dem Suiet ein einzelnes Ganze zu machen. Sie sollens haben sobalds fertig ist. Nach Düsseldorf kann und mag ich nicht, Sie wissen dass mir's mit gewissen Bekandtschafften geht wie mit gewissen Ländern, ich könnte hundertjahre Reisender seyn ohne Beruf dahin zu fühlen. G.

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