Brief

Von Anna Amalia von Helvig (16. Dezember 1824)

Graf G. Blankensee werde bei seinem Aufenthalt in Weimar einige Romanzen von E. Tegnér überbringen (aus der Frithjofssage). Beifolgende Gedichte, der Anfang des Heldenzyklus, seien noch nicht veröffentlicht ("Frithiof und Ingeborg" und "König Bele und Thorsten Wikingssohn"). Diese Tatsache sowie G.s gütige Worte ("Frithiofs Saga", in: "Über Kunst und Altertum" V 1) hätten H. zu weiterer Übersetzungsarbeit ermuntert. Über Schwierigkeiten bei der Übertragung der zweiten Romanze, die sich durch inhaltsschwere Sprüche nordischer Weisheit auszeichne. Zum Vergleich finde G. in dem von J. F. von Cotta herausgegebenen "Morgenblatt" die Übersetzung eines anderen Autors (W. von Souhr "Proben aus der Frithjofssage", in: MBl 1824, Nr. 149-151). Vielleicht veröffentliche H. ihre Übersetzung der hier beigelegten Romanzen auch im "Morgenblatt" (1825, Nr. 10 und 12). - H. habe Großherzogin Luise ihre neue Arbeit "Helene von Tournon" zugesandt; erwähnt: J. I. von Cruickshank und C. von Ahlefeld. Das Verdienst dieser Schrift bestehe in der Treue gegen die Geschichte. - Dank für "Über Kunst und Altertum" V 1. - Unter H.s Anleitung lerne ihr Bruder (Charles) aus England die Meisterwerke deutscher Dichter kennen, u. a. G.s "Egmont" und "Götz von Berlichingen"; erwähnt: die Ehefrau des Bruders. Wiederholt stehe H. unter dem Eindruck dieser Schriften. - Grüße an O. von Goethe.

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