Tagebucheintrag
Reisetagebuch Italien 1786, 21. September 1786
d. 21. Abends.
Ich habe heute den alten Baumeister Scamozzi besucht der desPalladio Gebäude herausgegeben und ein gar braver Mann ist. Er gab mir einige Anleitung. Ich werde morgen auf’s Land fahren,ein Landhaus des Conte Tiene zu sehen. pp.
Du erinnerst dich vielleicht daß unter den Gebäuden des Palladioeins ist das la Casa di Palladio genennt wird, ich hatteimmer eine besondere Vorliebe dafür; aber in der Nähe ist es noch weit mehr, ist es erst was man sich gar nicht abwesenddenken kann. Wenn ich komme wird davon viel Redens seyn.Wenn es nicht gleich Aufsehens machte und ich meine humilempersonam nicht kompromittirte; so ließ ich es zeichnen und illuminirenwie es dasteht mit einigen Nachbarhäusern.
Ich gehe nur immer herum und herum und sehe und übe meinAug und meinen innern Sinn. Auch bin ich wohl und von glücklichemHumor. Meine Bemerkungen über Menschen, Volck,Staat, Regierung, Natur, Kunst, Gebrauch, Geschichte gehn immerfort und ohne daß ich im mindsten aufgespannt bin hab ich den schönsten Genuß und gute Betrachtung. Du weißt was dieGegenwart der Dinge zu mir spricht und ich bin den ganzen Tagin einem Gespräche mit den Dingen. Ich lebe sehr mäsig. Den rothen Wein der hiesigen Gegend, schon von Tyrol her, kan ichnicht vertragen, ich trincke ihn mit viel Wasser wie der Heil.Ludwig, nur schade daß ich zum Heiligen zu alt bin.
Heut hab ich auch den Dr. Tura besucht. Wohl fünf Jahre hat ersich mit Passion aufs Studium der Botanick gelegt, ein Herbarium von der Flora Italiens gesammelt, unter dem vorigen Bischof einen Botanischen Garten angelegt. Das ist aber alles hin;die Medicinische Praxis vertrieb die Naturgeschichte, das Herbariumwird von Würmen gefressen, der Bischoff ist todt undder Botanische Garten ist wieder, wie billig, mit Kohl und Knoblauch bepflanzt. Dr Tura ist ein gar feiner guter Mann, er erzähltemir mit Offenherzigkeit, Reinheit und Bescheidenheitseine Geschichte, sprach überhaupt sehr bestimmt und gefälligdabey, hatte aber nicht Lust seine Schräncke aufzumachen, warbald fertig und ließ mich gehn.
Gegen Abend ging ich wieder zur Rotonda die eine halbe Stundevon der Stadt liegt, dann zur Madonna del Monte und schlendertedurch die Hallen herunter, wieder auf den vielgeliebtenPlatz, kaufte mir für 3 Soldi ein Pfund Trauben verzehrte sieunter den Säulengängen des Palladio und schlich nach hause als es dunkel und kühl zu werden anfing.
Heut Abend ist wieder Oper ich kann mich aber nicht entschließendas Opus noch einmal zu leiden, ob ich gleich dieBallette die heute verändert sind wohl gerne sähe.
Wir wollen die Nacht zum Schlafen anwenden um den morgenden Tag desto beßer zu nutzen.
Hier die Inschrifften der Rotonda wie sie an den vier Frontons stehn.
Marcus Capra Gabrielis F.
Qui aedes has arctissimo primogeniturae gradui subjecit.
Vna cum omnibus censibus agris vallibus et collibus citra
viam magnam
Memoriae perpetuae mandans haec dum sustinet ac abstinet.
Das Ganze, besonders der Schluß ein herrlicher Text zu künftigenUnterredungen.
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