Brief
Von Friedrich August Wolf (22. Juni 1795)
Erinnerung an den Genuß der vier unbeschreiblich glücklichen Tage, die ich Ihnen neulich zu danken hatte. Von seiner Reise (Mai 1795) bleibe für ihn das persönliche Bekanntwerden mit G. als unvergeßlich Freude. Es ist doch durchaus etwas anderes, Schriften, selbst die worin das Herz noch so stark redet, zu bewundern und hochzuschätzen, und den Quell, der sich in unserem Zeitalter kaum genug in Schriften ergießen kann, in seiner eigenthümlichen Fülle und Klarheit zu sehen. - Dem für G. bestimmten Exemplar seiner "Prolegomena ad Homerum" (Ruppert 1300) habe W. ein gutes Äußeres geben lassen wollen. Auf die Nachricht von G.s baldiger Abreise (nach Karlsbad) erlaube er es sich jedoch, das Buch ungebunden (durch K. A. Böttiger) überreichen zu lassen. Bitte um G.s Urteil über das Buch; er hege in dieser Hinsicht von G. als eiem Mann der mit Kraft und Wärme der Griechen denkt und empfindet, besondere Erwartungen. Vom Urteil der Philologenzunft (filii philologorum) verspreche er sich dagegen wenig.
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