Brief
Von Friedrich Schiller (29. Dezember 1797)
Über den beiliegenden Brief W. von Humboldts an S. vom 7. bis 11. Dezember aus Paris. Humboldt sei auch mitten in dem neugeschaffenen Paris seiner alten Deutschheit getreu geblieben. - Zu den Bemühungen G.s, das Epische und das Dramatische zu sondern: Um von einem Kunstwerk alles seiner Gattung fremde ausschließen zu können, müsse man auch alles darin einschliessen können, was der Gattung gebührt. Daran fehle es gegenwärtig; und weil die Bedingungen nicht gegeben seien, unter welchen eine jede der beiden Gattungen stehe, sei man genötigt, sie zu vermischen. - Wenn das Drama wirklich durch einen so schlechten Hang des Zeitalters in Schutz genommen wird, [...] so müßte man die Reforme beim Drama anfangen, und durch Verdrängung der gemeinen Naturnachahmung der Kunst Luft und Licht verschaffen. Das könne unter anderm am besten durch Einführung symbolischer Behelfe geschehen. Nähere Erläuterung dieses Symbolbegriffes. - S. habe immer gehofft, aus der Oper und aus den Chören des alten Bacchusfestes werde sich das Trauerspiel in einer edlern Gestalt loswickeln. Da man in der Oper auf jene servile Naturnachahmung verzichte, könnte sich auf diesem Wege das ideale auf das Theater stehlen. - Auf J. H. Meyers Aufsatz "Über die Gegenstände der bildenden Kunst" sei S. sehr begierig.
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