Brief
Von Johann Heinrich Meyer (13. Oktober 1796)
Empfangsbestätigung für G.s Brief vom 17. August. - Ausführliche Beschreibung der Stadt Fiesole, der Stadtmauer und verschiedener Kirchen sowie des Gemäldes von Fiesole "Krönung Mariä", ein Hauptstück der Kunst. Über das öffentliche kulturelle Leben und die Bedingungen der privaten Lebensweise in Florenz. Im Gegensatz zu Jena seien hier Wissenschaft und Kunst tot und würden nur in den Werken erscheinen. - Erklärung über das Zustandekommen des Gerüchts, M. werde seit einiger Zeit in der Schweiz erwartet. Dank für die Begleichung seiner Schulden bei J. Escher, besonders aber für die erhaltene ldylle "Alexis und Dora", da für M. die Beschäftigung mit Literatur einen willkommenen Ausgleich biete. Den Vers Welle! dein herrliches Blau ist mir die Farbe der Nacht könne man ohne G.s Lehre von den Farben nicht voll verstehen. - M. studiere gegenwärtig die Niobe, eines der höchsten & Edelsten Wercke der Kunst und erkläre einige der bisher studierten Figuren so: Die Mutter und fünf ihrer Töchter sowie der kleinste Sohn seien vom höchsten Stil, Kopien dreier anderer Söhne dagegen von geringerem Wert. Größere Schwierigkeiten habe M. bei der Bestimmung von Vasen der hiesigen Sammlung, die sich durch Reliefe und elegante Formen auszeichneten und aus Volterra und Arezzo stammten. - Grüße an alle Freunde.
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