Normalzeugnis Zeugnis

Bettina Brentano an Goethe 28. 11. 1810 (Bergemann S. 330)

An einem hellen Wintertag, an dem Deine Mutter Gäste hatte, machtest Du ihr den Vorschlag, mit den Fremden an den Mein zu fahren: „Mutter, sie hat mich ja doch noch nicht Schlittschue laufen sehen, und das Wetter ist heut so schön pp – Ich Elisabeth Goethe zog meinen karmesinrothen Pelz an, der einen langen Schlepp hatte und vorn herunter mit goldnen Spangen zugemacht war, und so fahren wir denn hinaus: da schleift mein Sohn herum wie ein Pfeil zwischen den andern durch, die Luft hatte ihm die Backen roht gemacht und der Puder war aus seinen braunen Haaren geflogen; wie er nun den karmesinrothen Pelz sieht, kommt er herbei an die Kutsch und lacht mich ganz freundlich an. – nun was willst Du? sag ich. Ey Mutter, Sie hat ja doch nicht kalt im Wagen, geb Sie mir ihren Sammetrock! – Du wirst ihn doch nit gar anziehen wollen? – freilich will ich ihn anziehen. ich zieh halt meinen prächtig warmen Rock aus, er zieht ihn an, schlägt die Schleppe über den Arm, und da fährt er hin, wie ein Göttersohn auf dem Eiß ... So was schönes giebts nicht mehr. – ich klatschte in die Hände vor Lust! mein Lebtag seh ich noch, wie er dem einen Brückenbogen hinaus und dem andern wieder herein lief, und wie da der Wind ihm den Schlepp lang hinten nach trug. damals war Deine Mutter Maximiliane Brentano mit auf dem Eiß, der wollte er gefallen.

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