Brief
An Henriette von Fritsch (14. Februar 1810)
Erlauben Sie, theuerste Freundinn, daß ich gleich nach Tische, in folio eine Unterredung mit Ihnen anfange, da eben kein ander Papier vorhanden ist, und ich Ihnen auch wohl mancherley zu sagen habe.
Zuerst schicke ich ein Gedicht. Wenn das die Schamane recht zu Herzen nähme, sich’s in den lieben Sinn eindrücken und alsdann zur rechten Zeit und Stunde aussprechen wollte, so würde es gewiß von guter Wirkung seyn. Bey der morgenden Probe, könnte alles versucht und ein gerichtet werden.
Nun bitte ich aber inständig, sowohl Ihren Herrn Gemahl wegen des ersten Aufzugs, als Sie wegen des zweyten, daß ja, insofern es möglich ist, alle Personen morgen früh um 11 Uhr gegenwär tig sind. Die Requisiten lasse ich alle hinschaffen, u ob gleich heute schon sehr viel aufgefaßt und mit Leichtigkeit behandelt worden ist; so könnten doch Personen, die erst am letzten Abend eintreten, noch einige Irrung machen. Wir sind ohnehin nicht ganz dafür sicher. Je besser aber die große Masse eingeübt ist, desto weniger merkt man, wenn etwas hinzutritt. Andre kleine Zufälligkeiten werden Sie und Ihr Herr Gemahl durch Ihre Gegenwart schon zu lenken wissen.
Zugleich schicke ich Ihnen vier ächte Götzen mit Puppenschürzchen, welche wahrhaft scha manisch aussehen. Hätte man früher immer die rechten Gedanken, so wäre es wohl thulich gewesen, sie ivon Holz und noch viel leichter u lustiger schnitzen zu lassen. Aber gerade das ächte und neckische giebt vielleicht einige Unterhaltung. Finden Sie diese kleinen Un geheuer zu schwer, oder sonst ungeschickt, so legen sSie solche bey Seite.
Ich habe, glaube ich, heute früh schon erwähnt, daß Fräulein Sylvie von Ziegesar sich bereitet als Pohlinn zu erscheinen und HErrn von Hell dorfs Moitié zu seyn. Ich will sie auf mor gen früh einladen, und bitte nur sonst, wie mich der H. Gemahl verstehen wird, Feuer unter zu legen, daß morgen früh um 11 Uhr die sämmt liche Gesellschaft wohlgemuth beysammen sey. Es ist nicht um meinetwillen, der ich wohl alles kann hingehen lassen; aber um der Sache willen, die wirklich so wie sie steht, keine Kleinigkeit ist.
Ich lege zugleich eine Probe unseres zu Ueber gebenden mit bey.
Daß wir auch zu Ende dieser Seite gekommen sind, wird abermals das zufällige Format ent schuldigen können, das doch nicht groß genug ist, um ausdrücken zu können, mit wie viel Vergnügen ich auch dießmal mit Ihnen wieder zusammentreffe. G
Weimar den 14 Febr. 1810.
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