Normalzeugnis Zeugnis
Italienische Reise. 20. 3. 1787 (WA I 31, 64)
Die Kunde einer so eben ausbrechenden Lava, die für Neapel unsichtbar nach Ottajano hinunter fließt, reizte mich, zum drittenmale den Vesuv zu besuchen. Kaum war ich am Fuße desselben aus meinem zweirädrigen einpferdigen Fuhrwerk gesprungen, so zeigten sich schon jene beiden Führer, die uns früher hinauf begleitet hatten. Ich wollte keinen missen und nahm den einen aus Gewohnheit und Dankbarkeit, den andern aus Vertrauen, beide der mehreren Bequemlichkeit wegen mit mir.
Auf die Höhe gelangt, blieb der eine bei den Mänteln und Victualien, der jüngere folgte mir, und wir gingen muthig auf einen ungeheuren Dampf los, der unterhalb des Kegelschlundes aus dem Berge brach ...
Durch die hellste Sonne erschien die Gluth verdüstert, nur ein mäßiger Rauch stieg in die reine Luft. Ich hatte Verlangen mich dem Puncte zu nähern, wo sie aus dem Berge bricht; dort sollte sie, wie mein Führer versicherte, sogleich Gewölb’ und Dach über sich her bilden, auf welchem er öfters gestanden habe. Auch dieses zu sehen und zu erfahren stiegen wir den Berg wieder hinauf, um jenem Puncte von hinten her beizukommen. Glücklicherweise fanden wir die Stelle durch einen lebhaften Windzug entblößt, freilich nicht ganz, denn ringsum qualmte der Dampf aus tausend Ritzen, und nun standen wir wirklich auf der breiartig-gewundenen, erstarrten Decke, die sich aber so weit vorwärts erstreckte, daß wir die Lava nicht konnten herausquellen sehen.
Wir versuchten noch ein paar Dutzend Schritte, aber der Boden ward immer glühender; sonneverfinsternd und erstickend wirbelte ein unüberwindlicher Qualm. Der vorausgegangene Führer kehrte bald um, ergriff mich, und wir entwanden uns diesem Höllenbrudel.
Nachdem wir die Augen an der Aussicht, Gaumen und Brust aber am Weine gelabt, gingen wir umher, noch andere Zufälligkeiten dieses mitten im Paradies aufgethürmten Höllengipfels zu beobachten.
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