Normalzeugnis Zeugnis

Campagne in Frankreich. 6. 9. 1792 (WA I 33, 46)

Ich ließ um so eher aus der schrecklichen Fahrleise hinabwärts ausbiegen, als ich unten Officiere und Reitknechte hin- und wiedersprengen, Packwagen und Chaisen aufgefahren sah; ich vermuthete eins der Hauptquartiere und so fand sich’s: es war Glorieux, der Aufenthalt des Königs von Preußen. Aber auch da war mein Fragen: wo Jardin Fontaine liege? ganz umsonst. Endlich begegnete ich wie einem Himmelsboten Herrn von Alvensleben, der sich mir früher freundlich erwiesen hatte, dieser gab mir denn Bescheid, ich solle den von allem Fuhrwerk freien Dorfweg im Thale bis nach der Stadt verfolgen, vor derselben aber links durchzudringen suchen, und ich würde Jardin Fontaine gar bald entdecken. Beides gelang mir, und ich fand auch unsere Zelte aufgeschlagen, aber im schrecklichsten Zustande ... Eine Zeit lang hatte man’s ertragen, doch fiel zuletzt der Entschluß dahin aus, das Örtchen selbst zu beziehen. Wir fanden in einem wohl eingerichteten Haus und Hof einen guten neckischen Mann als Besitzer, der ehmals Koch in Deutschland gewesen war: mit Munterkeit nahm er uns auf, im Erdgeschoß fanden sich schöne heitere Zimmer, gutes Kamin und was sonst nur erquicklich sein konnte. Das Gefolge des Herzogs von Weimar ward aus der fürstlichen Küche versorgt, unser Wirth verlangte jedoch dringend, ich solle nur ein einzigesmal von seiner Kunst etwas kosten. Er bereitete mir auch wirklich ein höchst wohlschmeckendes Gastmahl, das mir aber sehr übel bekam ... Als es zum Abschied ging, überreichte der gutgelaunte Wirth meinem Diener einen vorher versprochenen Brief nach Paris an eine Schwester, die er besonders empfehlen wolle; fügte jedoch nach einigen Hin- und Wiederreden gutmüthig hinzu: du wirst wohl nicht hinkommen.

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