Brief
Von Friedrich Gentz (21. Februar 1811)
Graf M. Dietrichstein übersende das beykommende Paket mit eigenen Kompositionen zu Gedichten G.s ("Sechs Lieder in Musik gesetzt"); erwähnt: Fürst F. Dietrichstein. - Gentz habe zuerst auch Beethovens der Fürstin K. M. Kinsky gewidmete Vertonungen zu G.s Gedichten beilegen wollen, dann aber erfahren, daß diese bereits in Leipzig gedruckt seien ("Sechs Gesänge"). Falls Graf F. Pálffy sie rechtzeitig besorgen könne, lege er aber Beethovens Musik zum "Egmont" bei. - Gentz habe A. von Kerpen veranlassen wollen, für G. eine Zeichnung anzufertigen. Sie habe aber keine Zeit gefunden, da sie seit 8 Tagen die Braut des Grafen F. K. Schönborn sei. - Ausführlich über die gefährliche Erkrankung M. von Eybenbergs. Sie bitte, das lange Stillschweigen gegenüber G. zu entschuldigen. - Bedauern darüber, daß G. diesen Winter nicht nach Wien kommen könne. Die öffentlichen Feste seien in diesem Jahr weniger glänzend als früher, dafür habe die Privat-Geselligkeit [...] Fortschritte gemacht. Über die zahlreichen Gelegenheiten, bei denen aber Spiel nur eine sehr untergeordnete, Musik schon eine bedeutendere, eigentliche Unterhaltung und Gespräch aber die Haupt-Rolle spielt. Die Prinzessinnen von Kurland (Töchter der Herzogin von Kurland) seien der Central-Punkt der hiesigen eleganten Welt; erwähnt: die Häuser Lobkowitz, Esterházy, Zichy sowie Fürstin K. Bagration. Der Luxus im Ameublement, in den Equipagen, in den Anzügen der Damen, besonders aber im Essen und Trinken ist so hoch gestiegen, wie er in Wien noch nie war, und, außer Paris, auch wohl nirgends in der Welt seyn mag. Man müsse die Diners vierzehn Tage im voraus planen, da die Palffy, und Schönborn, und Kinsky, und Windischgrätz, und Lichnowsky, und Zichy, und Lichtenstein, u. s. f. mit einander wetteifern. Im Vergleich zu 1802 und 1803 sei aber weit mehr Geist in die Gesellschaften gedrungen; dabei erwähnt: G.s "Faust" und "Iphigenie". - Bitte um Empfehlung an Herzog Karl August und Hoffnung auf ein Zusammentreffen mit G. im Sommer. - Falls G. ihn oder Graf Dietrichstein mit einigen Zeilen beehren wolle, möge er diese durch O. A. von Rühle an Graf F. Kolowrat senden. - Gentz müsse den Brief beschließen, ohne die Musikalien erhalten zu haben.
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