Normalzeugnis Zeugnis

J. L. Geist, Tagebuch 21. 10. 1797 (GSA Goethe XXIX O)

Der Regen ließ gegen 9 Uhr nach und wir Goethe, Meyer, Geist bestiegen das Schiff; kamen, indessen sich das Wetter immer mehr wieder aufheiterte, um 11 Uhr in Herrliberg an, aßen zu Mittag bey Herrn Hauptm: Escher auf seinem Landgut in der Schiff genannt. Nach Tische durchstöhrte ich ein wenig das ganze Haus und kam unter andern in einen schönen großen Saal, in welchem sich eine kleine Orgel, die man nämlich ordentlich spielen konnte, stand, mehrere junge Leute beyderley Geschlechts, die sich auf diesem Gute befanden suchten mich bald daselbst auf und da sie meist alle musikalisch waren so stellten wir in aller Geschwindigkeit den lustigsten Ball aus dem Stegreif an, ich spielte ihnen meine Tänze und sie mir dan die ihrigen, dieses unverhoffte Vergnügen dauerte eine ganze Stunde fort bis wir endlich gegen Abend um 5 Uhr von hier abgingen und uns sehr ungern von einander trennten, sie bestiegen dann einen Altan der sich auf dem obern Theil des Gebäudes befindet und sie wedelten uns mit weissen Tüchern, so lange und so weit sie uns auf dem See nur sehen konnten ein Lebewohl zu, welches wir denn immer wieder aus dem Schiff heraus erwiederten. Um 7 Uhr kamen wir im Hafen bey Zürch an und logirten bey dem Hrn. Rittmeister Ott im Schwerdt.

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