Brief

Von Johann Heinrich Meyer (20. Januar 1789)

Leider erlaube es ihr seine Zeit nicht, so viel Nachrichten von Kunstwerken zu geben, wie er es wünschte. - Über jene Vase aus Nola (vgl. RA 1, Nr. 326), deren Zeichnung beiliege: An der Vortrefflichkeit der Erfindung bestehe kein Zweifel, dagegen an der Identität der Figuren Pylades und Elektra. Eine andere Vase verdeutliche, daß die Alten diese Mahlereyen nicht ohne Mühe ausführen konnten. In der Münzsammlung des Bischofs Gürtler, Beichtvater der Königin Marie Karoline von Neapel, befinde sich eine äußerst schöne silberne Münze von Basilides. Die am Gemälde "Odysseus und Circe" (von Carracci) aufgestellte Behauptung, daß die Alten in der Kunst die Deutiichkeit der Wahrheit vorangesetzt, könne M. am "Raub des Hyllus" in Portici erhärten. Dieses Beispiel hätte auch die Kunstrichter über Raffaels "Verklärung Christi" zu belehren vermocht. Negatives Urteil über A. Riems Schrift "Über die Malerei der Alten, Beitrag zur Geschichte der Kunst" (Berlin 1787); unter anderem kritisiere Riem zu Unrecht die alten Zeichnungen auf weißen Marmortafeln zu Portici. M. schildert die Darsteliungsqualität von 4 Tafeln (unter anderen "Hileäre und Aglaie würfelnd", "Theseus im Zentaurenkampf", "Phhädra"), damit G. vorbereitet sei, falls ihm die Schrift begegne. Venuti besitze einen außerordentlich schönen, aber verstümmelten Marmorkopf des Odysseus; Beschreibung dazu. - Der Johanneskopf von Raffael sei in Sepia getuscht, doch sei M. eine gewiße stille und fridliche Gratzie, die dem Original eigne, nicht gelungen. Auch werde sich die Übersendung verspäten. M. verspricht eine eigene Zeichnung "Odysseus und Nausikaa". Von Bury sei noch keine Nachricht über den Verkaufspreis von Carraccis "Pieta" eingetroffen. - M. habe einer Anfrage aus Zürich zugestimmt, nach der ihm das Amt eines Professors der Zeichnenden Kunst angeboten worden sei. Er wünschte, daß das Vorhaben gelänge, könne aber nicht darauf bauen. - Seit 14 Tagen weile Herzogin Anna Amalia in Neapel. M. besuche sie oft. Seine für G. angefertigte Zeichnung zum Kopf der "Juno Ludovisi" gefalle ihr. Herder sei einer der Besten gütigsten Menschen. Beiliegend ein klein gedicht u. musik von J. F. H. von Dalberg (? "Wandrers Nachtlied", vertont von Dalberg). - Die Post an ihn und W. Tischbein möge G. an den dänischen Konsul in Neapel C. Heigelin richten.

Bezüge im Wissensnetz

Antworten darauf (1)

GZP-Knowledge-Graph

Hat Sprache (1)

GZP-Knowledge-Graph
  • Deutsch

Wurde abgesendet von (1)

GZP-Knowledge-Graph

Wurde gesendet an (1)

GZP-Knowledge-Graph

Wurde abgesendet aus (1)

GZP-Knowledge-Graph

Wird angeführt von (1)

GZP-Knowledge-Graph

Kategorie (1)

GZP-Knowledge-Graph
  • Brief und Korrespondenz

Teil von (1)

GZP-Knowledge-Graph
Cookie-Einstellungen