Tagebucheintrag

Reisetagebuch Italien 1786, 7. September 1786

d 7. Sept Abends. Es scheint mein Schutzgeist sagt Amen zumeinem Credo, und ich danck ihm, nicht daß er mir diesen schönen Tag gemacht, sondern daß er mich an diesem Tagehierhergeführt hat. Der Postillon sagte noch zulezt es sey dererste diesen ganzen Sommer. Ich hab eine herzliche, stilledanckbare Freude über mein Glück und hoffe es soll nun so fortgehn. Um 5 Uhr fuhr ich von München weg. Klarer Himmel. An denTyroler Bergen standen die Wolcken fest und die untern Streifenbewegten sich auch nicht. Der Weg geht an der Iser hin, in derHöhe auf zusammengeschlemmten Kieshügeln, die Arbeit deralten höheren Wasser. Ich sah Knebels Kiesel wieder und begrüste ihn. Die Nebel des Flusses und der Wiesen wehrten sicheine Weile, endlich wurden auch diese aufgezehrt.Zwischen gedachten Kieshügeln |: die du dir mehrer Stundenlang und breit dencken mußt :| das schönste fruchtbare Erdreich.Siehe rückwärts fol Vor Wohlfahrtshausen wo ich um 9 Uhr ankam und so den 48 Grad erreichte, muß man wieder an dieIser, man sieht da einen Durchschnitt und Abhang der Kieshügel, wohl auf 150 Fus hoch. In Wohlf. brannte die Sonne starck.Alle Welt iammert über das böse Wetter und daß der grose Gott gar keine Anstalten machen will. Nun ging mir die neue Welt auf, ich näherte mich den Gebürgen, sie wurden freyer vonWolcken. Benedikt Bayern liegt köstlich! Wie man es zuerst erblickt,liegts in einer fruchtbaren Plaine, ein lang und breitesweises Gebäude und ein breiter hoher Felsrücken darhinter. Dann kommt man zum Cochl. See No 3. dann zum Walcher See No 4. zum Cochl. See gehts schon hinauf, der andreliegt noch höher im Gebürge. Wie ich den ersten beschneitenGipfel sah, griff ich nach dem Hute, doch war es mir unbegreifflschon so nahe an, den Schneebergen zu seyn. Dann hört ich daßes gestern in dieser Gegend gedonnert geblitzt geregnet und auf den Bergen geschneit hatte. Es war also der erste Schnee den ich begrüßte. Die hohen Felsklippen sind alle Kalck, von dem ältesten dernoch keine Versteinerungen enthält. Diese Kalckfelsen gehn inungeheurer ununterbrochner Reihe von Dalmatien bis nach dem Gothart und auch weiter fort. Haquet hat einen grossenTheil der Kette bereist Davon mündlich. Sie lehnen sich an denGranit, Porphyr u. s w. Ich habe nur wenige Stücke eine ArtGneis in den Giesbächen gefunden. Wallensee halb 5. Ich war nicht weit von dem Orte, als mir das erste Abenteuergen aufsties. Ein Harfner ging mit seinem Töchtergen einem Mädgenvon 11 Jahren vor mir her, und bat mich sie einzunehmen.Ich lies sie zu mir sitzen und nahm sie auf s nächste Dorf mit. Ein artiges ausgebildetes Geschöpf, das weit herumgekommen war, mit seiner Mutter nach Maria Einsiedlen gewallfahrtet undseine Reisen immer zu Fuß gemacht hatte. In München hatte siebei dem Churfürsten gespielt und überhaupt schon sich vor 21fürstl. Personen hören lassen. Sie unterhielt mich recht gut. hattehübsche grose braune Augen eine eigensinnige Stirne, die sie ein wenig hinaufwärts zog. War hübsch und natürlich wenn siesprach, besonders wenn sie kindisch laut lachte. Wenn sieschwieg, wollte sie was bedeuten und machte mit der Oberlippeeine fatale Mine. Ich schwätzte alles mit ihr durch. Sie warüberall zu Hause, und paßte gut auf. Einmal fragte sie mich was das für ein Baum sey? Es war ein Ahorn, und der erste den ichauf der ganzen Reise sah. Den hatte sie gleich bemerckt. Eskamen nachher noch mehr. Sie zeigte mir eine neue Haube die sich hatte in München machen lassen und in einer Schachtel mitsich führte. Es gäbe schön Wetter, wenigstens einige Tage sagte sie. Sie trügenihr Barometer mit das sey die Harfe; wenn sich der Diskant hinauf stimme, so geb es gutes Wetter, das hab er heute gethan.Ich nahm das Omen an, und hatte noch viel Spas mit ihr ehe wirschieden. Mittelwald halb 8 angekom.

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