Normalzeugnis Zeugnis
Campagne in Frankreich. 13. 10. 1792 (WA I 33, 140)
Unser Führer wollte nicht freventlich seine braven wohlhabenden Verwandten in dieser Gegend gerühmt haben; er ließ uns deßhalb einen Umweg machen über Arlon, wo wir in einem schönen Städtchen, bei ansehnlichen und wackern Leuten, in einem wohlgebauten und gut eingerichteten Hause, von ihm angemeldet, gar freundlich aufgenommen wurden. Die guten Personen freuten sich selbst ihres Vettern, glaubten gewisse Besserung und nächste Beförderung schon in dem Auftrage zu sehn, daß er uns, mit zwei Wagen, so viel Pferden und, wie er ihnen glauben gemacht hatte, mit vielem Geld und Kostbarkeiten, aus dem gefährlichsten Gewirre herauszuführen beehrt worden. Auch wir konnten seiner bisherigen Leitung das beste Zeugniß geben und, ob wir gleich an die Bekehrung dieses verlornen Sohnes nicht sonderlich glauben konnten, so waren wir ihm doch dießmal so viel schuldig geworden, daß wir auch seinem künftigen Betragen einiges Zutrauen nicht ganz verweigern durften. Der Schelm verfehlte nicht mit schmeichelhaftem Wesen das Seinige zu thun und erhielt wirklich, in der Stille, von den braven Leuten ein artiges Geschenk in Gold. Wir erquickten uns dagegen an gutem kaltem Frühstück und dem trefflichsten Wein und beantworteten die Fragen der freilich auch sehr erstaunten wackern Leute, wegen der wahrscheinlichen nächsten Zukunft, so schonend als möglich.
Vor dem Hause hatten wir ein paar sonderbare Wagen bemerkt, länger und theilweise höher als gewöhnliche Rüstwagen, auch an der Seite mit wunderlichen Ansätzen geformt; mit rege gewordener Neugier fragte ich nach diesem seltsamen Fuhrwerke, man antwortete mir zutraulich, aber mit Vorsicht: es sei darin die Assignatenfabrik der Emigrirten enthalten, und bemerkte dabei was für ein gränzenloses Unglück dadurch über die Gegend gebracht worden. Denn, da man sich seit einiger Zeit der echten Assignate kaum erwehren könne, so habe man nun auch, seit dem Einmarsch der Alliirten, diese falschen in Umlauf gezwungen. Aufmerksame Handelsleute hätten dagegen sogleich, ihrer Sicherheit willen, diese verdächtige Papierwaare nach Paris zu senden und sich von dorther officielle Erklärung ihrer Falschheit zu verschaffen gewußt; dieß verwirre aber Handel und Wandel in’s Unendliche; denn da man bei den echten Assignaten sich nur zum Theil gefährdet finde, bei den falschen aber gewiß gleich um das Ganze betrogen sei, auch bei’m ersten Anblick niemand sie zu unterscheiden vermöge, so wisse kein Mensch mehr was er geben und was er empfangen solle, dieß verbreite schon bis Luxemburg und Trier solche Ungewißheit, Mißtrauen und Bangigkeit, daß nunmehr von allen Seiten das Elend nicht größer werden könne.
Bei allen solchen schon erlittenen und noch zu fürchtenden Unbilden zeigten sich diese Personen in bürgerlicher Würde, Freundlichkeit und gutem Benehmen zu unserer Verwunderung.
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