Brief

Von Karl Friedrich Reinhard (10. bis 20. November 1810)

1810 November 10 Empfangsbestätigung für G.s Brief vom 7. Oktober sowie die Schachtel mit den Profilen und den beiden Prismen, die L. Jakowlew übergeben wurden. Dieser habe vom Verlust des Steines erzählt, den er von G. erhalten und nach Rom gesandt hatte. - Zu G.s Reisen nach Karlsbad und Teplitz sowie über R.s Reise als Begleiter seiner Frau nach Pyrmont. Über dortige Begegnungen mit M. A. von Thümmel und F. Nicolai, die immer beisammen waren: Anspielungen auf Gestalten aus Oehlenschlägers "Hakon Jarl", Werken Nicolais ("Das Leben und die Meinungen des Herrn Magister Sebaldus Nothanker", "Leben, Bemerkungen und Meinungen Johann Bunkels") und Thümmels ("Reise in die mittäglichen Provinzen von Frankreich im Jahre 1785-1786"). - G.s Auftrag an die Fürstin von Lippe-Detmold sei ausgerichtet. Sie schreibt mir, der Apparat (zur "Farbenlehre") sei benüzt worden [...]. Sie fürchte jedoch, die Zeiten seien für G.s Werk wenig günstig. R. habe K. A. H. Reißig, der vor zwei Monaten abgereist sei, geraten, die "Farbenlehre" in St. Petersburg zur Sprache zu bringen (vgl. G. an S. Uwarow, 1811 Februar 27, WA IV 22, Nr. 6117). Im physikalischen Kabinett in Göttingen habe R. eine Tafel von G.s dortigem Aufenthalt gefunden; aber der Professor dort ist ein Stok-Neutonianer (J. T. Mayer). 1810 November 15 R. schreibe in der Zwischenzeit der Festlichkeiten (Geburtstag des Königs von Westfalen). - C. de Villers sei mit seiner Freundinn (D. v Rodde) nach Lübeck zurückgekehrt. Über den Bankrott M. von Roddes; erwähnt: die drei Kinder M. von Roddes aus 1. Ehe, seine Pariser Gläubiger (Bankhaus Tourton) und der Duc de Rovigo (Savary). Villers hoffe an der Göttinger Bibliothek angestellt zu werden. R. bestätigt G.s Urteil über ihn und charakterisiert ihn ausführlich; Vergleich mit dem Apostel Paulus. - Zu G.s Mitteilung, daß die Cöllner (Brüder Boisserée) nach Wien gereist seien. K. Sieveking habe auf seiner Reise von Paris S. Boisserée noch in Heidelberg angetroffen, so daß G. auf dessen Besuch gefaßt sein müsse; R. wolle ihn in diesem Falle entsprechend vorbereiten. Über einen Brief S. Boisserées an R., der die Mitteilung enthalte, daß er wegen seines Unternehmens ("Ansichten, Risse... des Doms von Köln" und "Geschichte und Beschreibung des Doms zu Köln", Ruppert 2329 und 2331) mit Cotta einen Vertrag geschlossen habe und daß die Zeichnungen dem Königspaar von Württemberg sowie der Erbgroßherzogin Stephanie von Baden vorgelegen haben und große Bewunderung hervorgerufen hätten. Auch werde darin ein Aufsatz im MBl erwähnt, worin G. gepriesen wird, zuerst die Deutsche Baukunst wieder als solche anerkannt zu haben ("Der Dom zu Köln am Rheine", von ? K. Schäffer, in: MBl 1810, Nr. 217). - Arnims "Armut, Reichtum ... der Gräfin Dolores" (Berlin 1810) habe R. auch gelesen und darin Stoff zum Beifall und zum Ärger genug gefunden. Eingehende Stellungnahme dazu und zum Wirrwarr der deutschen Literatur; es scheine ihm, daß der Prophet schon geboren sei, der unsern Enkeln eine neue Religion geben soll. Über die gegenwärtige Rolle des Christentums und dessen Surrogate und über die geringe Wirkung von poetischen und philosophischen Mystikern. 1810 November 20 Hinweis auf die Anwesenheit des Kronprinzen von Württemberg und dessen Reisepläne, die aber wegen der Krankheit des Vaters (König Friedrich) scheitern könnten. Von dessen Gesprächen mit R.s Frau über G. und Schiller. Zum Kronprinzen von Schweden (Bernadotte), der hier durchkam. G.s hohe Bekanntschaften in Teplitz (v. a. mit der Kaiserin von Österreich) würden für jene Sympathie einflößen. - Hinweis auf einen weiteren Interessenten für G.s "Farbenlehre", P. Poel in Altona, Verfasser der ehmaligen Monatschrift: Frankreich (? "La France, Frankreich", hrsg. von J. F. Reichardt und K. F. Cramer, Altona 1793-1795). - Bitte, R. als Abonnenten bei einer eventuellen Anstalt für Apparate (für die "Farbenlehre") zu notieren. Frage nach Rezensionen zur "Farbenlehre" (vgl. RA 5, Nr. 1287 und RA 5, Nr. 1571); ihm sei noch keine bekannt geworden.

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