Brief

An Johanna Charlotte Frommann (26. Dezember 1807)

Theuerste Freundinn, Für eine recht hübsche Brieftasche hofft ich Ihnen zu dancken, nun überrascht mich eine sehr schöne die mir ein auserordentliches Vergnügen macht. Danck! den besten Danck! daß Sie mich auf ewig von der Versuchung gerettet haben meine liebsten Papierschätze, wie Beyreis seinen Diamanten, wie Werner seine Sonnette, auf eine wunderliche Weise zu verwahren und zu produciren. Eben diese Sonnette voll feuriger himmlischer Liebe sind nun an der einen Seite des Portefeuilles einge schoben, die sich auf diesen Gehalt schon sehr viel einzubilden scheint. Jetzt bleibt uns nichts übrig als an der andern Seite, durch ein zwar irdisches und gegen wärtiges, aber doch auch warmes und treues Wohlmeynen und Lieben eine Art von Gleichgewicht hervorzubringen. In der Mitte mag denn Fremdes Platz finden, heiter, gefühlvoll wie s zutrifft. Sehr angenehm ist mir dieses Zusammensammeln und an reihen, in der Hoffnung bald etwas davon mittheilen zu können. Da es aber sehr ungewiß ist wann ich wieder zu dem Glück gelange, so mache ich einen Versuch dasjenige was Sie an mir durch Nadelstiche gethan haben, durch Lettern und Sylben zu erwiedern. Nehmen Sie die alten Bekannten freund auf, ich hoffe das übrige bald nach senden zu können. Wie schmerzlich es war unsre Erwartung Sie hier zu bewirthen, auf einmal ge täuscht zu sehen, sollten Sie mitempfinden. Möge doch die Sorge für die liebe Alwine sich immer vermindern und der dauernde Besitz dieses guten Kindes Ihnen immer mehr zugesichert werden. Gestern Abend, zu Augusts Geburtstag, habe ich Sie sämmt hergewünscht, die Theatralischen Freunde spielten ein kleines Stück wovon ich die Affiche beylege. Es war sehr artig. Auch sende ich einen Zettel angebotner Sämereyen. Wir lassen alle Jahre aus dieser Handlung kommen und sind sehr wohl damit zufrieden.Mögen Sie auch was bestellen; so verschreibe ichs mit. Hierbey bin ich nicht so ganz uneigen nützig als Sie glauben könnten, diesen Sommer hoffe ich manches davon bey Ihnen zu genießen. Bey Bischoffs ist für mich eingemiethet, und ich werde einmal ganz ernsthaft ein Bewohner von Jena seyn. Das Schloss soll hergestellt, das Museum heruntergeschafft, die obere Etage wohnbar eingerichthet werden.Was werde ich nicht alles dabey zu thun haben und mir zu thun machen. Leben Sie recht wohl mit den lieben Ihrigen.Verzeihen Sie meiner Schreibseligkeit, sie überfällt mich noch seltner als die Redseligkeit. Ich schließe und packe ein, in Hoffnung Herrn Fromman gegenwärtiges mitzugeben. Viel Empfehlungen an das Seebeckische werthe Paar. Unterstützen Sie meine Bitte bey Minchen. Das Packet bringt H. Frommann.(nachträglich erg.) W. d. 26 Dez 1807. Goethe

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