Normalzeugnis Zeugnis
Caroline v. Herder, Erinnerungen: Böttiger (SB Berlin, PrK, Herder XXXVII 3)
Seine Böttigers Arbeiten für die vielen Journale, u. vorzüglich seine Redaction für den Merkur, u. für London u. Paris, wurden endlich so groß, daß er die Nachmittags Lections Stunden in seiner Claße abzugeben wünschte. – Hiezu fand er ein vortrefliches Mittel. Voigt theilte ihm des Vaters Herders Plan einer neuen Professor Stelle fürs Gymnasium mit, den der Vater dem Herzog im Jahr 1797 übergeben hatte. Schnell wußte er sich durch Freimäurer-Connexionen einen Ruf nach Copenhagen zu verschaffen. Beim Vorzeigen dieses vortheilhaften Rufs, äußerte er daß er gern in Weimar bleiben werde wenn man ihm folgende Bedingungen erfüllte:
1. Befreiung von seinen Nachmittags Lections Stunden, damit er den Nachmittag für sich frei habe, um zum Besten des Gymnasiums sich den Wissenschaften mehr widmen zu können.
2. Jährlich einen Urlaub von 3–4 auch mehrern Monathen, theils zu kleinen Erholungs Reisen, theils zu einer Reise nach Engeland u. Italien, die er nothwendig für seine Wissenschaft noch machen müße.
3. Er begehre keine Geld Zulage, sondern bitte, daß der projectirte Professor, seine Nachmittags-Stunden übernehmen u. in seiner Abwesenheit wenn er auf Reisen sei, für ihn vicarire.
4. Nur für seine Frau wünsche er die Versicherung einer vergrößerten Wittwen Pension.
Mit der Forderung N° 3. war des Vaters Absicht mit dem neuen Professor auf die frechste Art zertrümmert.
Der Böttiger scheute sich nicht dem Vater mit der unverschämtesten Stirn zuzumuthen: „Er allein könne ihn jetzt zu seinen Wünschen verhelfen.“ Der Vater antwortete: ich kann hierinnen nichts thun; Sie müßen sich an Voigt u. Goethe halten.“ Er versprach ihm nichts.
Er war über diesen schlau angelegten Plan, seinen, noch nicht einmal existirenden neuen Professor in die Luft zu sprengen sehr allarmirt. Er fand es nöthig mit Goethe darüber zu sprechen u. sagte ihm: „Wenn der Herzog Böttiger behalten will, so mag er ihm Zulage geben u. ihn in seinem Geschäft erleichtern wie es ihn gut dünkt, aber nur nicht durch den von mir vorgeschlagenen Professor, denn das hieße ja meinen Plan vernichten – er würde von nun an der Substitut von Böttiger seyn.“ – Ferner, kann ich als Ephorus in die öftern Reisen u. langen Abwesenheiten Böttigers von seinem Amt, nicht beistimmen; was soll aus einem Gymnasium werden, dessen Director das Drittel- oder halbe Jahr abwesend ist. Erleichtert ihn, wo ihr wollt, aber nicht auf diesem von ihm selbst vorgeschlagenen Weg; ich muß Pflichthalber dagegen seyn.“
Dies war Goethe sehr recht; er haßte Böttiger aufs höchste u. zeigte ihm seine Verachtung öffentlich u. eclatant. (Die Ursache war, Böttiger hatte Goethes Bedienten bestechen wollen, daß er ihm ein Kunstwerk aus Goethens Sammlung auf einige Tage verschaffen sollte – u. der Bediente offenbarte es seinem Herrn.)
Kurz, Goethe brachte es beim Herzog dahin daß Böttigers Bedingungen nicht erfüllt wurden, u. daß ihm sogar keine anderweitige Anerbietungen gemacht wurden. Sein Plan, den Goethe durchsah, scheiterte gänzlich.
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