Amtliches Schreiben Brief

An Johann Ludwig von Mauchenheim gen. Bechtolsheim (14. September 1780)

Mein lieber Bechtolsheim ich muss Ihnen über die böse Holzangelegenheit einige Worte schreiben, und mir über eins und das andre Ihre Gedancken ausbitten. Ohne uns in den Werth der Sache einzulassen, sind wir wohl beyderseits einig dass sie sich zum Vergleich fürtreff qualifizire, nur fragt sich, da der Gegentheil so sehr im Vorteil sizt, wie man allenfalls anknüpfen könnte. Der Herzog ist jezt in der Gegend, er wird nach Meinungen kommen und es ist dies die schicklichste Gelegenheit Unterhandlungen einzuleiten Die guten Gesinnungen der hohen Herrschafften zum Grunde gelegt, so vermag Türckheim gewiss viel in der Sache, er ist ein redlicher Mann und unserm Hause von Altersher zugethan, nur fürcht ich von seiten ihrer Regierung Widerstand, und eingewurzelte Halsstarrigkeit. Dem sey nun wie ihm wolle; so muss man anbeissen, und ich wünschte nur vorher Ihre Gedancken zu wissen, was Sie dem Geschäfft für eine Wendung zu geben gedencken, damit man übereinstimmend handle, und gleich die ersten Schritte auf den Zweck losgehen. Voraus lässt sich sehen, dass sie gegen ihre Unterthanen nicht sehr scharf zurucken werden, alles was man von ihnen verlangen kan, was sie aber auch dem Herzog nach allen Verhältnissen schuldig sind, ist den Vergleich ernstlich betreiben zu helfen. Da der Fehler einmal gemacht ist, und die Unterthanen Pars geworden sind, und sich nunmehr so sehr durch das Conclusum begünstigt sehen, wäre es wohl das allernötigste an ihre Consulenten und Häupter einen Weeg zu suchen. In der Nachbaarschafft wohnt der Präsident Hinckeldey, der wohl ehmals selbst die Hände in der Sache gehabt haben mag, der Herzog hat ihn zu Tische gebeten und wird ihn auf seinem Gute besuchen. Arnswald glaubt dass durch diesen etwas auszurichten seyn mögte da er Zutrauen bey den Leuten hat. Verlassen mag ich mich nicht auf ihn, indess müssen wir iezt rechts und lincks Beystand suchen, zu risquiren ist auch nichts, er weis die Sache so gut wie wir, und man müsste mit ihm nicht weiter gehen als man Grund sähe. Wir sind im Fall ihm nachbaarliche Gefälligkeiten zu erzeigen, und er hat auch bey uns eins und das andre hängen, das bey dieser Gelegenheit abgethan werden könnte. Auch hat er sich im Gespräch |:wie natürlich war:| sehr vortheilhafft für unsre Seite herausgelassen, und gegen Arnswalden der es ihm für sich näher legte, bereitwillige Gesinnungen gezeigt. Uberlegen Sie es doch! Sprechen etwa privatim den Canzlar der von alten Zeiten die Zusammenhänge weis, und sagen mir ausführlich Ihre Meynung. Diesen Brief erhalten Sie hoff ich Freytags bey guter Zeit, Ihre Antwort erwarte ich Sonnabends Abend oder Sonntags früh, denn zu Mittage wird es wohl zu Hinckeldey gehn. Leben Sie wohl und grüsen die schöne kleine Frau. Die Anstalten im Oberland sind treff zugerückt. Lassen Sie sonst niemand von diesem Brief und den etwa folgenden etwas erfahren. Kalten Nordheim. d. 14 Sept. 80 Goethe

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