Normalzeugnis Zeugnis

Körner an Schiller 6. 12. 1790 (Geiger1 2, 159)

Deine Manier in der Geschichte des 30jährigen Kriegs in der Behandlung der Charaktere ist mir lieber, als die in der Geschichte der Niederlande. In dieser ist mehr Subjectives, mehr Idealisirung des Geschichtschreibers, mehr Personificirung abstracter Begriffe und weniger Individualität, als in Deiner neuern Arbeit. Das Objective in aller Art von Kunst wird mir immer werther. In diesem scheint mir die wahre Classicität enthalten zu sein; dasjenige, was einem Kunstwerke Unsterblichkeit giebt. Das Subjective ist abhängig von der besonderen Denkart oder Stimmung des Künstlers, und sein Werth ist davon abhängig, ob er ein Publicum findet, dessen Denkart und Stimmung mit der seinigen sympathisirt ... Goethe verdanke ich einige Winke über den Unterschied des Subjectiven und Objectiven, denen ich weiter nachgedacht habe.

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