Brief
Von Johann Heinrich Meyer (23. Juli 1789)
G.s letzter Brief sei über L. von Göchausen von Neapel nach Rom gelangt. Dank für den 8. Band von "Goethes Schriften", der M. reine Lust und manche Schöne Stunde bereitet habe. Vor allen anderen Gedichten bevorzuge M. "Die Nektartropfen", "Das Göttliche", "Amor als Landschaftsmaler", "Anakreons Grab". - G.s Ratschläge zu "Odysseus und Nausikaa" und "Ödipus und die Sphinx" befolgend, befasse sich M. eingehend mit deren Überarbeitung. Details zu "Odysseus und Nausikaa" habe er von einem Gemälde des Guido (? G. Reni) zu Capodimonte entnommen. - Während solche Kolossalstatuen wie "Pallas Athene" in der Villa Medici und die "Barberinische Muse" der gleichen Zeit alten Stils entstammten, gehörten nach M.s Ansicht die Statuen auf Monte Cavallo, die Gruppe "Niobe" und die "Giustinianische Minerva" zu den hohen Style, der durch Phidias und seine Zeitgenossen vertreten werde. Auch in neuerer Zeit trügen Kunstwerke einer Zeit' immer eine allgemeine Ähnlichkeit. - Lips überbringe Gipsabgüsse von der Münze des Basilides, die nun Philetärus genannt werde, und von zwei anderen schönen Münzen der gleichen Sammlung. - Hiermit sende M. eine weitere Zeichnung ("Dichter legt seine Leier in die Flammen des Altars") von einer Vase aus Nola.
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