Brief
Von Bettina Brentano (Arnim) (24. bis 28. November 1810)
Mein theuerster Freund! Ich kenne Dich nicht! Die wenigen Zeilen G.s, die B. heute, am 24. November, zusammen mit F. Durantes Duetten (? "12 Duetti da camera"; vgl. RA 5, Nr. 1572) erhalten habe, hätten sie zunächst um seine Gesundheit besorgt gemacht. Aber die wahre Liebe hat kein Bekümmerniß. - Fortsetzung Ihres Berichtes von K. E. Goethes Erzählung: Schön wie ein Engel sei G. gewesen. Vor den anderen Knaben habe er sich durch seine gerade Haltung ausgezeichnet (Stoffgrundlage zu G.s "Dichtung und Wahrheit"; vgl. bes. "Aristeia der Mutter"). Einmal zur Herbstlese habe G. mit seinen Kameraden Irrlichter vorgestellt. Er habe täglich dreimal Toilette gemacht. Von seiner ersten Liebe zu Gretchen aus dem Wirtshauß zur Rose in Offenbach ("Dichtung und Wahrheit" I 5). Besonders gefalle ihr die Geschichte von G.s Eislauf in Mutters rotem Samtrock ("Dichtung und Wahrheit" IV 16). B. durchglühe es immer, wenn sie an G.s Jugend denke.
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