Normalzeugnis Zeugnis

Böttiger an F. A. Wolf 29. 6. 1795 (GJb 27, 57; erg. nach B2 1, 230)

Goethe ließ mir sagen, als ich ihm ... Ihren Brief insinuierte – denn er war die letzte Zeit, Gott weiß aus welcher Geschäftigkeit, jedem persönlichen fremden und einheimischen Besuch unzugänglich – er würde mir einen Brief an Sie zuschicken. Er ist aber diesen Morgen abgereist, und ich bin leer ausgegangen. Er hält nichts auf geschwängerte Briefe ... Noch ehe ich Ihren Brief erhielt und Ihre Vollmacht hatte, wanderte ich schon mit meinen drei, sauber in apfelgrün Livrei gekleideten homerischen xeniis zu Goethe, weil ich durch seinen Hausgenossen Meyer erfahren hatte, daß es ihm bei diesem Geschenke wirklich heiße ωκειαι χαριτες χαριεστεραι. Ich hatte Meyer auch Ihr Plänchen wegen der Sachsischen Bimssteintoilette mitgeteilt, und Goethe hatte darauf geäußert: Das wäre doch von einem so präzisen Logiker der erste Paralogismus gewesen. Das Einbinderlohn wolle er lieber einmal mit Ihnen in Champagner vertrinken. Sunt ipsissima verba. Als ich mit meiner Spende eingetreten war, kam mir sehr ungelegen der Geheimerat Voigt, um ihm wegen Ilmenauer Bergwerksachen Bericht abzustatten. Er dankte also nur mit der ihm eigenen Lieblichkeit, und nun kam er gleich auf Voß, der Goethen seine vierte Ekloge usw. geschickt hatte. Goethe war auch über das vale an Heyne erstaunt und sprach mit vieler Herzlichkeit von dem wackeren Voß. Zugleich hörte ich, daß er spätestens in sechs Wochen von Karlsbad zurückkommen müsse, weil dann eine starke Untersuchung in Jena zur Abstellung der Ordensteufeleien, die immer stinkender werden, angestellt werden soll.

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