Normalzeugnis Zeugnis

W. v. Humboldt an C. G. v. Brinckmann 13. 2. 1797 (Leitzmann8 S. 97)

Mit Göthe hatte ich gestern ein langes Gespräch über metra, wo er allen Vossischen Regeln gräßlich das Urtheil sprach. Ich bewundre diese Größe, aber es bringt mich nur dahin, daß ich gleich, wie ich zu Hause komme, wieder zur Buße den Voß lese und die Ruthe küsse, die einen züchtigt. Wahr aber ist es, daß der Sprache mit einer Prosodie, die so wenig auf sie, und ganz auf die Alten berechnet ist, als die Vossische, nicht gedient seyn kann. Göthe bemerkte mit Recht: wie Voß wohl den Homerischen Hexameter goutiren kann, da für sein Ohr die position und alle Regeln dieser Art nicht gelten, und also eine Menge Trochaeen hintereinanderherhinken. Göthens Hauptbuch ist jetzt der Herrmann de metris, der das Epitheton des Dunkeln wohl auch mit mir theilen kann. Doch scheint er ihn vorzüglich als eine Autorität zu licenzen zu gebrauchen. Ich studire jetzt diesen Herrmann. Ich bin in den Hauptpunkten mit ihm uneins, aber das Buch ist ein Meisterwerk.

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