Brief
Von Katharina Elisabeth Goethe (1. August 1796)
Auf G.s Bitte berichtet sie über die nähreren Umstände des Unglücks Frankfurts, verursacht durch die Kayserlichen, die nicht im stande waren die Frantzosen zurück zu halten und die Stadt dennoch nicht räumten. Die Angst vor Plünderung habe die Bürger falsch beraten. Die Judengasse sei abgebrannt, denn da sei beynahe kein lebendiges weßen drinnen gewesen. Wenn es die Christen eben so Horndumm angefangen hätten, wäre die halbe Stadt niedergebrannt. Beschreibung des Zustands einzelner Straßen. Auf der Frieburger gaße ist unser ehemahliges Hauß abgebrandt, in das viele Leute, so auch der Spetzerey Händler G. C. Graff, ihre Sachen zum Schutz vor Plünderung gebracht hätten, da es ein preußischer Leutnant bewohnt habe. - J. L. Hetzler und H. P. Schlosser seien als Geißlen mitgenommen worden. Die Lage sei fatal und bedencklich. Fast alle Freunde seien Emigrirt, so sei sie meist zu Hauße, spiele Klavier und lese unter anderem Voltaires "Essai sur les mœurs et l'esprit des nations" (1756). - Aber wo bleibt der Willhelm??
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