Brief
Von Friedrich Schiller (7. Juli 1797)
S. halte den rechten Moment für gekommen, daß die griechischen Kunstwerke von Seiten des Characteristischen beleuchtet und durchgegangen würden. Ausführliche Erörterungen dazu; Erwähnung von Winckelmann und Lessing. In der Poesie müsse man den Begriff und selbst das Wort Schönheit [...] aus dem Umlauf [...] bringen, und [...] die Wahrheit in ihrem vollständigsten Sinn, an seine Stelle [...] setzen. A. L. Hirts Aufsatz "Laokoon" wolle S. gern in den "Horen" veröffentlichen. Nachdem das Publikum so vorbereitet sei, könnten G. und J. H. Meyer ihre Gedanken entwickeln, und S. selber hoffe, aus der Materie über das Characteristische und Leidenschaftliche für seine Untersuchungen über das Griechische Trauerspiel Nutzen zu ziehen. G.s Aufsatz "Über Laokoon" ("Propyläen" I1) erwarte S. mit Begierde. - Vorrangig müsse jetzt der musikalische Teil des "Musenalmanachs" für 1798 beendet werden, da der Komponist sonst nicht fertig werden könne. Deshalb sei S. nach langem Studium von J. G. Krünitz' "Ökonomischer Enzyklopädie" (Brünn 1788) jetzt an sein Glockengießerlied ("Das Lied von der Glocke") gegangen. Von seiner Absicht, noch 4 oder 5 kleine Nadoweßische Lieder nachfolgen zu lassen. - "Wallensteins Lager" wolle S. an G. senden, sobald er es zurückerhalten habe.
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