Normalzeugnis Zeugnis

J. I. Weitzel, Das Merkwürdigste aus meinem Leben 1, 174

Mit Goethe fand ich Gelegenheit, einige Worte bei dem Eislaufe auf der Saale zu wechseln, wo ich einem Knaben, der sich nicht fest auf seinen Schlittschuhen zu halten wußte und öfter fiel, hülfreich an die Hand gehen wollte. Der Junge war, wie ich hörte, Goethe’s Sohn, und quälte sich verlassen auf der glatten Bahn, während der Vater in dem Gewühle rüstiger Läufer sich auf ihr noch ziemlich gewandt bewegte. Der große Mann sah mir etwas vornehm aus, und das Vornehme ist, wie ich in seinen Schriften gelesen zu haben glaube, abstoßend. War ich verständig, dann mußte ich gestehen, daß er sich gegen mich benahm, wie er sich gegen einen Menschen von meinem Stande und Alter benehmen konnte. Warum sollte er anders als vorübergehend und auf eine gleichgültige Weise Notiz von meiner Erscheinung nehmen? Unglücklicher Weise wußte er nicht, wie lange wir schon bekannt gewesen, und wie nahe er mir und meinem befreundeten Kreise schon seit Jahren gestanden. Ich habe diesen außerordentlichen Mann später noch einigemal gesehen, und so viel ich es vermochte, zu beobachten gesucht. Sein ganzes Wesen, redend oder schweigend, in Ruhe oder in Bewegung, erfüllte mich mit einer gewissen Scheu. Auch dem Gefühle schon kündigt die Natur sich an, die herrschen will, ohne beherrscht zu werden.

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