Normalzeugnis Zeugnis
B. R. Abeken an J. D. Gries 7./16. 10. 1825 (JbGG 5, 253)
So vernahm ich von Frau Fuchs, einer Elsässerin ... Folgendes: „Da sitz’ ich einmal an Tisch mit der Frau Pfarr von Sesenheim, die Friederike besorgt die Kinder, die zu Gast sind; die Älteren und andre Fremde sind in der Stube neben an. Nun seh’ ich, wie die Friederike aus einer Schüssel Hühnerfricassée die besten Bissen aussucht, die Leberchen, die Bruststückchen u. s. w. Ich sprech’: Frau Base, was ist mit der Friederike? Die ist sonst so demüthig, und nun nimmt sie das Beste vom Essen. – Ach, spricht sie, laßt sie nur. Das ist nicht für sie; schaun Sie in die andre Stube, da sitzt ein junger Herr; zu dem werden die Leberchen schon den Weg finden. – Ich schaue hin, und sehe da einen jungen schmucken Student sitzen. Der kriegt’ auch Alles.“ – Das war Göthe. Und nun erzählte die Alte weiter, wie Friederike an diesem gehangen, wie sie nach seinem Abschied habe mehrere Parthien thun können; wie sie nie gewollt, und bis an ihren Tod Göthes Porträt in ihrer Schlafstube gehabt habe ... Auf Göthe war die Erzählerin übrigens nicht böse. „Man weiß ja, wie’s mit den Herrn Studenten geht; und er konnte damals nicht heirathen.“
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