Normalzeugnis Zeugnis

Vorrede zu ‚Das Neueste von Plundersweilern’ (WA I 16, 43)

Herzogin Amalia hatte die gnädige Gewohnheit eingeführt, daß Sie allen Personen Ihres nächsten Kreises zu Weihnachten einen heiligen Christ bescheren ließ. In einem geräumigen Zimmer waren Tische, Gestelle, Pyramiden und Baulichkeiten errichtet, wo jeder Einzelne solche Gaben fand, die ihn theils für seine Verdienste um die Gesellschaft belohnen und erfreuen, theils auch wegen einiger Unarten, Angewohnheiten und Mißgriffe bestrafen und vermahnen sollten. Zu Weihnachten 1781 verbanden sich mehrere dieses Vereins, der Fürstin gleichfalls eine Gabe darzubringen, welche nichts Geringeres sein sollte, als die deutsche Literatur der nächstvergangenen Jahre in einem Scherzbilde. Über diesen Gegenstand war so viel gesprochen worden, so viel gestritten und gemeint, daß sich manches Neckische wohl zusammenfassen ließ, und das Zerstreute in einem Bilde aufzustellen möglich war. Nach Erfindung und Entwurf des Verfassers ward durch Rath Krause eine Aquarellzeichnung verfertigt, zu gleicher Zeit aber ein Gedicht geschrieben, welches die bunten und seltsamen Gestalten einigermaßen erklären sollte. Dieses Bild war auf einem verguldeten Gestell eingerahmt und verdeckt, und als nun jedermann sich über die empfangenen Gaben genugsam erfreut hatte, trat der Marktschreier von Plundersweilern, in der von Ettersburg her bekannten Gestalt, begleitet von der lustigen Person, herein, begrüßte die Gesellschaft, und nach Enthüllung und Beleuchtung des Bildes recitirte er das Gedicht, dessen einzelne Gegenstände der Begleiter, wie sie eben vorkamen, mit der Pritsche bezeichnete. Dieser Scherz gelang zur Ergetzung der höchsten Gönnerin, nicht ohne kleinen Verdruß einiger Gegenwärtigen, die sich getroffen fühlen mochten.

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