Brief

Von Detlev Friedrich Bielfeld (12. August 1795)

B. übersendet G. den ersten Gesang seiner "Adamide", einer Weltepopoe, mit der Bitte um Rücksendung. - Was Milton von seinem "Verlorenen Paradies" sage, gelte mit noch mehrerm Rechte für B.s Epopöe, die alles Große, Hohe, Edle umfassen soll: Jedes Individuum solle sich in der ganzen Menschheit wiederfinden. B. wolle die ganze religiöse, politische und moralische Welt einbeziehen und zuletzt sein eigenes Weltideal aufstellen. - Lange habe B. in der Geschichte nach einem Helden für seine Epopöe gesucht. Heinrich I., über den er schon einige 100 Hexameter gedichtet habe, scheine ihm ungeeignet, da B. das Heldentum des Sokrates höher schätze als z. B. dasjenige Alexanders. B.s Held sei der Mensch im allgemeinen. - Da B.s Verstand jetzt stärker sei als seine Empfindung, halte er sich für dieses Werk reif; die Ausführung werde vielleicht 10 Jahre dauern. - B.s ältere Freunde seien fern, seine Altersgenossen unempfindlich für die Kunst. Dafür aber könne er in G. einen unsterblichen Freund verehren. - B. glaube kein unwürdiger Bewunderer G.s zu sein, da er beim Studium der Klassiker die Einfalt des Stils, die G.s Werke auszeichne, schätzen gelernt habe. G.s "Iphigenie" sei aus griechischem Geist empfunden. - B.s Zukunft sei noch ungewiß. Da er 7 Jahre auf Akademien gelebt habe, wünsche er jetzt eine Verdienstmöglichkeit. Er glaube als Universitätslehrer nützlich zu werden. - Entschuldigung seiner Unfähigkeit im Briefeschreiben.

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