Normalzeugnis Zeugnis
J. André an L. Ysenburg v. Buri 18. 7. 1764 (Allg. Zeitg. Beil. 81, 9. 4. 1902, 61)
Herr Göthe ist vorige Woche ohngefähr ¼ Stunde bey mir gewesen. Er brachte mir ein Compliment von Herrn Alexis Karl Schweitzer, aber das Compliment war erfunden, wie mich Alexis gestern versichert hat. Ich wußte nicht, was ich mit ihm reden sollte; ich fragte ihn, wie er hieß. Er nannte sich und sagte, Herr Alexis wäre sein vertrauter Freund, so wie er dann auch meine Oprette bey demselben gesehen hätte. Er fing nun an das Stück zu loben. – Kann ich Ihnen mit einer Schale Thee, oder mit einem Glase Wein aufwarten, unterbrach ich ihn, weil ich ihn zu jung für einen Kunstrichter hielt – ich bin Ihnen für alles gehorsamst verbunden, antwortete er mir. Hierauf sagte er mir weiter, er wäre bei Herrn Mannskopf zum Besuch und fing darauf an von der Comödie zu sprechen, die wir bey Ihnen aufgeführt haben; er lobte sie sehr: Herr Alexis hätte sie ihm höchstens angerühmt; ich konnte ihm nicht gänzlich beyfallen. Von unserer Comödie kamen wir auf die Frankfurter Comödie und Opera, und das war unser ganzes Gespräch. Er hat mir also kein Wort von Gesellschaftsangelegenheiten gesagt. Nach Ihnen hat er sich erkundiget und mir ein Compliment an Sie aufgetragen ... Schließlich bat er mich, ihn zu besuchen. Ich sagte es ihm so zu, wie man etwas wider Willen zusagt. Warum ich aber keine Neigung zu ihm trug, ist blos, daß er mir zu jung schien. Er mag 15 Jahr oder 16 alt seyn, im übrigen hat er mehr ein gutes Plapperwerk als Gründlichkeit.
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