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Colloquium: Pater et Filius (JG3 1, 8)

F. Ist es erlaubt mit in den Keller zu gehen? P. Ja es ist erlaubt wen du mir sagst was du daselbst machen wilst. F. Ich höre, daß sie die Weine auffüllen wollen, und davon möchte ich einen Begriff haben. P. Verschlagener! hierunter stickt etwas anders verborgen: sage die Wahrheit. F. Ich kans nicht bergen, den Grund und Schluß-Stein habe ich Lust einmal wieder zu sehen. P. Folge mir, dir soll in einem als andern will fahret werden. F. Ich will gern folgn. Siehe wir sind schon an der Treppe. Õ was vor eine grose Finsternüß, es kan nicht dunckler im Grab aussehen. P. Hinweg dermalen mit dieser traurigen Vorstellung: Gehe mein Sohn nur behutsam der Treppe hinunter, du wirst bald Licht finden. F. Sie haben recht: ich sehe alle umliegende Sachen als, Kessel, Töpfe, Bütten u. d. m. P. Warte ein wenig, es wird sich dir noch mehr und dieses weit deütlicher als bißher geschehen endecken. F. Fürwahr das wenige Licht so durch das Keller Loch fält erleuchtet alles. P. Wo glaubest du nun das gesuchte zu finden? F. Den Schluß-Stein sehe ich wol über meinem Kopf aber den Grund Stein kan ich noch nicht antreffen. P. Siehe da in diesem Winkel ist er ein gemauret. F. Nunmehro sehe ich ihn wohl und erinere mich, daß ich ihn unter vielen Feyerlichkeiten mit eigener Hand eingemauret habe. P. Kanstu dich noch mehrer Umstände die dabey vorgefallen errinneren. F. Warumnicht. Ich sehe mich nehmlich in der Tiefe als einen Maurer gekleidet mit der Kelle in der Hand unter vielen Maurer-Gesellen stehen, und hatte den Steinmetzen-Meister zur Seiten. P. Wurde den dabey sonst nichts geredet? F Ja wohl. Es fing der Obergeselle zwar nach Gewohnheit aine Rede an konte sie aber nicht ausfüren und unterlies nicht sich die Haare auszurauffen da er von so vielen Zuschauern inzwischen ausgelacht wurde. P. Was denckestu den nun gutes bey diesem Stein, nach dem dich so sehr verlanget? F. Ich gedencke und wünsche daß er nicht eher als mit dem Ende der Welt verrucket werden möge. P. Das wollen wir Gott anheimstellen. Du aber gehe mit mir weiter. F. Potz, wie bequem komt man nicht aus diesem in den grosen Keller. Es muß viel Mühe und Oel gekostet haben biß diese Öfnung zustande kommen. P. Du hasts getroffen: Setze bey viele Gefahr, welche die Handwercks-Leüte gehabt, vornehmlich in Erbauung der Haupt-Treppe wie du hier siehest, da das gantze Gewölbe fast mit unzehligen Stützen unterbauet wurde. F. Und wir sind bey aller der Gefahr dennoch wohnen gebliben. Es ist gut wen man nicht alles weiß, ich hätte gewiß nicht so ruhig geschlafen, als geschehen. P. Weistu nicht wie süße es ist, an die Gefahr, wen sie vorüber, zu gedencken. Aber mein Sohn, siehe nun auch wie Weine aufgefüllet werden. F. Ach, was bedeüt das: Warum gehet so viel in einjegliges Faß: Wo komt den der Wein alle hin da wir ihn so mäsig trincken P. Du hast bemercket: Wisse also daß er sich von Tag zu Tage verzehret, und wen man den Abgang nicht jezuweilen wieder ersetzte, würde er endlichen alle verschwinden. F. Und solchergestalt wäre ja besser, daß man zuvor käme, und das, so verrauchen wolte, genöße: den was nützet mir ein gantzer Keller voll wen er zu Lufft werden solte. P. Thörigter! dieser Abnahme muß man, wie du hier siehest, mit wenigen Kosten abhelfen. F. Ich gebe es zu: Allein was sind den in diesen Fässern vor Weine. P. Ob zwar die Unwissenheit hirinnen besser ist so solstu doch wissen, daß sie viele Jahre haben, und desfals sehr raar sind, und dieses sage ich dir damit du dich dermaleinst mäsig bedienest, und Sorge habest, daß solche auf die Zukunfft überliefert werden. F. Ja ich will es thun: doch eines möchte noch wissen, ob es nehmlich solche Weine sind, welche Theologische genennet, und mit denen dreyen Buchstaben COS bezeichnet werden. P. Ey wie lustige Einfälle: die armen Geistlichen müssen sich sehr leiden, da die wenigsten solchen geniesen können. F. Dieses ist auch wahr und pflegen jene solche Beschuldigung auf die Juristen zu schiben. P. Genug vor diesesmals. Gehe wieder hinauf an deine ordentliche Arbeit. Und damit du nicht unbelohnt fortgehest so empfange hiermit ein zwar unansehnlich Stück-Holtz, das aber darum schätzbar ist, weil es ein Überbleibsel von dem auf Columbus Schiff befindlich gewesen Mastbaum ist. F. Ha ha, ich will es aufheben mit den andern Alterthümer biß daß ein Damasippus kome und sie kaufe. Lebe wohl.

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