Brief

Von Johann Sulpiz Melchior Dominikus Boisserée (22. August 1824)

Begründung für sein langes Stillschweigen. - B. habe gehofft, G. in Wiesbaden zu treffen, wozu ihm Graf K. F. Reinhard Hoffnung gemacht hatte. - Über eigene Reisepläne: B. wolle nach Köln reisen und auf dem Hin- und Rückweg einige Zeit in Frankfurt verbringen. G. könne Briefe an B. über G. Thomas senden. - Das neueste Heft von "Über Kunst und Altertum" (V 1) habe B. erst vor kurzem erhalten. Würdigung von G.s Aufsatz über den Roman Alphonse (N. A. de Salvandy "Don Alonzo"). Dank für die wiederholte empfehlende und rühmliche Anzeige des Domwerks (B. "Ansichten, Risse ... des Doms von Köln", vgl. H. Meyers und G.s Rezension "Boisseréesche Kunstleistungen", in: "Über Kunst und Altertum" V 1) mit Bedauern, dass G. nicht die beigegebenen Untersuchungen erwähnt habe, da die Arbeiten sich wegen der Kupferstecher noch hinzögen. In der freundlichen Anzeige unsers lithograph. Werks ("Die Sammlung Alt-, Nieder- und Oberdeutscher Gemälde der Brüder ... Boisserée und Johann Bertram. Lithographiert von N. Strixner") erkenne man Meyer, der mit seiner Meinung über die Meister Wilhelm zugeschriebenen Gemälde (richtig: von S. Lochner) aber im Gegensatz zu G.s Aussage zum Kölner Dombild im 1. Heft von "Über Kunst und Altertum" (vgl. "Kunst und Altertum in den Rhein- und Maingegenden", Abschnitt Heidelberg) stehe. Hoffnung, mit einer Publikation seiner neuesten Pariser Entdeckungen Meyer umstimmen zu können. - B. habe erfahren, dass C. Rauch in Weimar gewesen sei, um G.s Bildnis für das Frankfurter Denkmal zu modellieren (vgl. G.s Tagebuchnotizen im Juni); Bitte um Nachrichten darüber. - K. F. Schinkel, der auf Besichtigung aller Museen bis nach Neapel reise, habe Köln besucht und dabei die völlige Nutzlosigkeit der Reparaturen am Dom von vor 6 Jahren festgestellt. Dessen mit einiger babylonischen Selbstgefälligkeit vorgetragene Kritik wegen mangelhafter SteinConstruction des alten Doms sei aber unberechtigt. Schinkel wolle sich die Aufstellung unserer Sammlung für die Einrichtung des neuen Berliner Museums zum Muster nehmen, da man, wie er geäußert habe, in Berlin immer noch auf die Sammlung rechne. B. habe ihm mitgeteilt, dass man nun handeln müsse, wenn man sich nicht verrechnen wolle. - Geburtstagsgrüße, auch vom M. Boisserée und J. B. Bertram.

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