Brief
Von Friedrich Schiller (27. Februar 1798)
Von seiner Hoffnung auf das Frühjahr und den baulichen Veränderungen in seinem Garten. - Die Arbeit am "Wallenstein" schreite voran. In einer Situation, wo die Aufgabe darin bestanden habe, das ganz gemeine moralische Urtheil über das Wallensteinische Verbrechen auszusprechen, habe S. gespürt, wie leer das eigentlich moralische ist, und wieviel daher das Subjekt leisten mußte, um das Objekt in der poetischen Höhe zu erhalten. - G.s Gedanke, daß die Natur, obgleich von keinem einzelnen gefaßt, von der Summe aller Individuen gefaßt werde könnte, habe S. frappiert. Tatsächlich könne man jedes Individuum als einen eigenen Sinn betrachten, der die Natur im Ganzen eben so eigenthümlich auffaßt als ein einzelnes Sinnenorgan des Menschen. Bedauern, daß die individuelle Vorstellungs- und Empfindungsweise keiner reinen und vollkommenen Mittheilung fähig sei. - Bitte um Rücksendung von W. von Humboldts Brief an S. vom 20. Januar.
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