Normalzeugnis Zeugnis
Campagne in Frankreich. November 1792 (WA I 33, 245)
Durch Vorsorge, auf Anregung der edlen Freundin, ward ich von dem Postmeister nicht allein rasch gefördert, sondern auch durch Laufzettel weiter angemeldet und empfohlen, welches angenehm und höchst nothwendig war. Denn ich hatte bei schöner freundschaftlicher friedlicher Unterhaltung vergessen, daß Kriegesflucht mir nachstürme; und leider fand ich unterwegs die Schaar der Emigrirten, die sich immer weiter nach Deutschland hineindrängte, und gegen welche die Postillone eben so wenig als am Rhein günstig gesinnt waren. Gar oft kein gebahnter Weg, man fuhr bald hüben, bald drüben, begegnete und kreuzte sich. Heidegebüsch und Gesträuche, Wurzelstumpfen, Sand, Moor und Binsen, eins so unbequem und unerfreulich wie das andere. Auch ohne Leidenschaftlichkeit ging es nicht ab.
Ein Wagen blieb stecken, Paul sprang geschwind herab und zu Hülfe; er glaubte, die schönen Französinnen, die er in Düsseldorf in den traurigsten Umständen wieder angetroffen, seien abermals im Falle seines Beistandes zu bedürfen. Die Dame hatte ihren Gemahl nicht wieder gefunden, und war, in dem Strudel des Unheils mit fortgerissen und geängstigt, endlich über den Rhein geworfen worden.
Hier aber in dieser Wüste erschien sie nicht; einige alte ehrwürdige Damen forderten unsere Theilnahme. Als aber unser Postillon halten und mit seinen Pferden dem dortigen Wagen zu Hülfe kommen sollte, weigerte er sich trotzig und sagte: wir sollten nur zu unserm eignen, mit Silber und Gold genugsam beschwerten Wagen ernstlich sehen, damit wir nicht etwa stecken blieben, oder umgeworfen würden; denn ob er es gleich mit uns redlich meine, so ständ’ er doch in dieser Wüstenei für nichts.
Glücklicherweise, unser Gewissen zu beschwichtigen, hatte sich eine Anzahl westphälischer Bauern um jenen Wagen versammelt und gegen ein bedungenes gutes Trinkgeld ihn wieder auf den fahrbaren Weg gebracht.
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