Brief
Von Johann Sulpiz Melchior Dominikus Boisserée (28. März 1816)
B. erwarte täglich die Ankunft von G.s Schrift ("Über Kunst und Altertum" I 1). Über G.s Brief vom 5. März sowie das durch C. Ehrmann überbrachte Paket: Es sei ein allerliebster Einfall von G. gewesen, die hübsche Ansicht von Frankfurt zu vervielfältigen (die von R. Städel nach A. Radl radierte Ansicht Frankfurts von der Gerbermühle aus, mit G.s Versen "Erst Empfindung, dann Gedanken ...", WA I 4, 66, Nr. 84). Sie werde B. immer an den Tag der Entstehung (G.s Geburtstag 1815) erinnern. Das zum Granit-Christall gehörige Bild (Zeichnung G.s) hat die im Vers (G. "Granit, gebildet anerkannt ...", WA I 4, 130) ausgesprochene Wirkung nicht verfehlt und B. empfänglich für allen Zauber dieses Räthsels gemacht (Anspielung auf G.s Divan-Gedicht "Segenspfänder", WA I 6, 7f.). Mit der stückweisen Zusendung der "Veronika" (gezeichnet und gestochen von K. A. Schwerdgeburth), des Umschlags (Kupferstiche von Schwerdgeburth nach Vorlagen von H. Meyer und G.), des Titels und der Endblätter von "Über Kunst und Altertum" I 1 habe G. alle sehr geneckt. B. nehme aber G.s Anzeige im "Morgenblatt" (1816, Nr. 60-62) als für seinen augenblicklichen Zweck hinreichend. Er habe ihr alles entnommen, was zur Abfassung seiner Antwort an die preußische Regierung notwendig sei. G. habe, wie aus den Teilen zu ersehen sei, für B. alle Wege offen gelassen. Das Gewicht, das G. auf die Niederrheinischen Länder gelegt habe, treffe sich ebenso mit B.s Vorstellungen wie die Bemühungen um die alten oberdeutschen Künstler; erwähnt: Graf F. Solms-Laubach und das 2. Heft von "Über Kunst und Altertum". Das Bestreben, die Gemäldesammlung in dieser Hinsicht zu erweitern, werde B. als Argument neben anderen gegen einen baldigen Umzug der Sammlung nach Berlin anführen. - Die lange geplante Kunstreise durch Süddeutschland wolle B. nun endlich antreten. - Die Abstrafung des Kölnischen Taschenbuchs ("Taschenbuch für Freunde altdeutscher Zeit und Kunst", in: "Kunst und Altertum in den Rhein- und Maingegenden"; vgl. WA I 34. 1, 179) habe B. erstaunt, sei aber zu Recht erfolgt. E. R. von Groote treibe immer mehr Thorheiten und lasse jetzt 'Fausts Aussöhnung mit dem Leben' drucken.
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