Normalzeugnis Zeugnis

Eckermann, Gespräche 29. 3. 1831 (Houben1 S. 391)

Wir sprachen heute über Merck, und Goethe erzählte mir noch einige characteristische Züge. „Der verstorbene Großherzog, sagte er, war Mercken sehr günstig, so daß er sich einst für eine Schuld von viertausend Thalern für ihn verbürgte. Nun dauerte es nicht lange, so schickte Merck zu unserer Verwunderung die Bürgschaft zurück. Seine Umstände hatten sich nicht verbessert, und es war räthselhaft, welche Art von Negotiation er mochte gemacht haben. Als ich ihn wiedersah, löste er mir das Räthsel in folgenden Worten.“ „Der Herzog, sagte er, ist ein freygebiger, trefflicher Herr, der Zutrauen hat und den Menschen hilft, wo er kann. Nun dachte ich mir: betrügst du diesen Herrn um das Geld, so wirket das nachtheilig für tausend Andere; denn er wird sein köstliches Zutrauen verlieren, und viele unglückliche gute Menschen werden darunter leiden, daß Einer ein schlechter Kerl war. – Was habe ich nun gethan? – ich habe speculirt und das Geld von einem Schurken geliehen; denn wenn ich diesen darum betrüge, so thut’s nichts, hätte ich aber den guten Herrn darum betrogen, so wäre es Schade gewesen.“

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