Normalzeugnis Zeugnis
C. G. v. Brinckmann an Goethe 29. 11. 1799 (GJb 17, 30)
Schon seit meinem ganzen Aufenthalt in Paris fühl’ ich recht lebhaft das Bedürfnis, Ihnen noch mit wahrer Rührung und Sehnsucht für die herablassende Güte zu danken, deren Sie mich in Weimar würdigten.
Ich habe vielleicht in meinem Leben keine so schöne und glückliche Tage genossen wie die wenigen, die ich auf meiner Reise hieher bei Ihnen verbrachte, und ich wende seitdem mein Angesicht nach Weimar, wie die Juden nach Jerusalem, bei jedem andächtigen Gebet, das ich täglich zu den Penaten meines Herzens und Geistes richte. – Ach! Sie hatten wol recht, da Sie mir riethen ganz ruhig noch dort zu bleiben, indem die französischen Direktoren ihre Plane ganz ruhig ausführen würden, ohne sich durch meine Ankunft stören zu lassen. Wie arbeite ich seitdem vergebens! und wie herzlich sehn’ ich mich zurück! Wenn Sie mich sonst ein bischen mit meiner Deutschheit zum Besten hatten, so mögen Sie glauben, dass es jetzt zehnmal ärger geworden ist.
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