Nebenzeugnis Zeugnis
J. H. Hasencamp an F. Chr. Hoffmann 8. 12. 1784 (v. d. Goltz 2, 51)
Mehr als ein Mal hab’ ich den Brief von Th. Wizenmann über Jacobis Eindrücke in Weimar gelesen ... Häfeli, der in der Gesellschaft schweigt, gefällt mir eben deßhalb am besten: denn aus Dummheit hat er wohl nicht geschwiegen ... An Herder gefällt mir, daß er eine weiche Seele hat und von sich nicht soviel hält, als er in seinen Schriften zu thun scheint ... Indeß mißfällt mir an ihm, daß Lavater ihm zum Ekel ist; und daß der mir sonst werthe Claudius über Lavater, den mir noch immer theuern Mann, auch so ein witzig Wort sagte, wollte mir nicht gefallen.
Herder’s eigenes Geständniß, daß er selten zu beten pflege, dann sein ängstliches Herumlaufen auf dem Zimmer und das Aufreißen der Bibel, Beides ist mir kein sonderlicher Beweis für sonderliche Philosophie und Christus-Religion ...
Goethe gehört wohl zu den garstigen Menschen, die in der Schrift Hunde und Schweine genannt werden, und er ist der Gesellschafter, oder wohl gar Erzieher eines Fürsten und dem Herder nicht zum Ekel!
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