Normalzeugnis Zeugnis

Luise v. Knebel, Erinnerungen (STA Weimar, HA C, K 3 Bl. 4)

Kranz versicherte mir das wenn ich so schön bey der Herzogin diesen Abend sänge als ich vor ihm gesungen hätte – ich mit Geschencken aller Art über häuft würde ... Der Abend kahm ich wurde in einen Fürstlichen Wagen aus mein Haus abgeholt – es war wieder niemand zugegen – als Göthe – Wieland – Herder Knebel – und Kranz – und das Fräulein v. Göchhausen u. Kammer Herr v. Einsiedel. Kranz solte mir aufs Klavir mit sein Akompagiment begleiten. So wie ich anfangen solte zu singen – weg war meine Stimme – ich war verzweiflungs voll – und glaubte nun gewiß für immer meine Stimme verlohren zu haben – ich erklärte kurz und gut das ich wieder zurück nach Berlin ginge da ich nun recht gut einsehe das ich hier nicht singen könnte. Ich wurde von allen seiten zugeredet; das ich nur suchen mögte meine Furcht und Angst zu überwinden, und es würde gewiß gehen. Kranz kahm des andern Tages ich sang – und siehe da es ging vortrefflich. Nun sagte Kranz er wolle eine grose Probe ins Jäger Haus mit der ganzen Kapelle halten wo ich singen solte; und es solte niemand zugegen sein; das war ich zufrieden. Eine meiner schönsten Arien wurde aufgelegt – ich sah niemand außer die Musici; und ich muß ohne Pralerei sagen das ich wunderbar schön gesungen habe. Wie ich ausgesungen hatte, zog mann wie in einen Feen Schloß einen wunderschönen großen grünseidnen Vorhang zurück, wo der ganze Hof nebst sämtlichen Adel saß – ich verlohr beinah meine Sinne – meine Herzogin Amalia umarmte mich unter Thränen; die Herzogin Luise sagte mir wär so schön sänge wie ich brauchte sich gewiß für niemand in der Welt zu fürchten – genung ich sang drey mal und muß grade zu gestehen das ich mich selbst übertraf.

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