Tagebucheintrag

Reisetagebuch Schweiz 1797 (Teil 3), 1. Oktober 1797

Sonntags den 1ten Octobr. Altorf. Regen Wolken, Nebel, Schnee auf den nächsten Gip- feln. Kühe wurden durchgetrieben, die Leute tragen kleine höl- zerne Gefäße, die Thiere einige Melkstühle; denn die Leute näh- ren sich unterweges von der Milch. Der Wirth zum Schwarzen Löwen heißt Franz. Maria Arnold. Höflicher Abschied, Schein wechselseitiger Zufriedenheit, Welt- gleichniß. Halb neune gingen wir ab. Schöne Matten rechts und links. Nebelwesen, man weiß nicht ob sie steigen, sinken, sich erzeu- gen oder verzehren, wegziehen oder sich herabstürzen. herrliche Felswände Kalk. Breite klare Quelle, Sonne, blauer Himmel durchblickend, an den Bergen Wolkengebilde. Kindergeschrey aus der Höhle. Stei- le Kalkfelsen links bis auf die Wiese herab, wie vorher bis auf die Oberfläche des Sees. Rückwärts und niedrig erschien ein fast horizontales Stück eines sehr breiten Regenbogens, das Zigzag der Felslager erscheint wieder. An die Reus. Granitgeschiebe. Artig bemahlte saubere Kirche mit einem Jagdwunder, ohnge- fähr wie des heiligen Hubertus Rastende Kühe auf der Weide. 16 Stück kosten ohngefähr einen Louisdor des Tags. Zusammengestürzte Massen Gneus man geht von der Straße ab und kommt auf einen meist angenehmen bequemen Fußpfad bis zum Steg. Bisher hatte das Thal meist gleiche Weite, nun schließt ein Fels- stock die eine Hälfte ab, er besteht aus einem sehr quarzhaften Glimmerschiefer. Nachmittag war das Wetter völlig schön. Gleich hinter dem Orte kommt das Wasser aus dem Maderaner Thal, man sieht einen Pilger und Mineralogen weg den Berg hinauf gehen. Wir traten unsern Weg nach dem Gotthardt an, schiefricht Talk- gestein. Etwas höher schöner Rückblick nach dem Steg. Eigen- thümlicher Character der Gegend. Der Einblick hinaufwärts verkündigt das ungeheure. Um halb Viere war die Sonne schon hinter dem Berge. Erster Wasserfall, zweyter schönerer. Grünlich Gestein mit viel Glimmer, Granit, schöner Wasserfall etwas Baumtrockniß. Herrlicher Blick auf die Reus, an einer alten Fichte und einem großen Felsen vorbey. Immer Granit, mit Talk gemischtes Quarzgestein. Prächtiger Rückblick in die hin- abstürzende Reus. Die Felsmassen werden immer ganzer, un- geheurer. Echo, sehr schlechter Weg,682 flacheres Bette der Reus. Brücke. zweyte Brücke Nacht. Von der Höhe Rückblick in die Tiefe, die Lichter in den Hausern und Sägemühlen nahmen sich, in der ungeheuern nächtlichen Schlucht, gar vertraulich aus. Die Herrlichkeit des Herrn nach der neusten Exegese. Wa- sen. Alte Wirthin ihre Familiengeschichten, so wie ihre Gedulds- lehre.

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