Brief

Von Karoline Herder und Johann Gottfried Herder (2. Juni 1793)

Über Karolines Eindrücke von der am 29. Mai in Weimar besuchten Aufführung des "Bürgergenerals". G. sei es geglückt, die Thorheit und Schwachheit der jetzigen Zeit so darzustellen und das Exempel am Milchtopf so auszuführen, daß man zwar zuweilen selbst getroffen worden sei, das Ganze aber wohltätig und befriedigend gewirkt habe. Ihr gefalle das Stück so gut wie eines der schönsten Epigramme G.s. - Wunsch nach Frieden, nach Karl Augusts und G.s Rückkehr. - Hiermit sende sie auf Verlangen des Herzogs den 2. Teil der "Briefe zu Beförderung der Humanität" von Herder (Ruppert 958), da sie letztens versehentlich nur den 1. Teil gesandt habe. Ausdruck von Ehrerbietung gegenüber Karl August. - Nachricht von der Durchreise Lavaters am 31. Mai, der nach Kopenhagen gehe, um dort die Geister-Geschichten, die uniter einigen Prinzen und den Anhängern vor gehn, zu prüfen. Lavater habe beklagt, G. nicht in Weimar angetroffen zu haben. Er sei alt, sichtbar unzulässig und habe sich des radikalen Bösen wegen sehr an K. L. Reinhold in Jena angeschlossen. - Herders Kollege J. S. Gottschalg sei gestorben. - In Weimar sei es hundekalt. - Auf G.s "Bürgergeneral", der Herder gut gefallen habe, wolle er im Brief nicht näher eingehen.

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