Brief
Von Heinrich Friedrich von Diez (12. Juli 1815)
D. freue sich über G.s Interesse und Beifall für die so verrufenen und bisher so übel verstandenen Morgenländer. Reflexionen über Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Oesterlinge und Westerlinge und Dank für G.s schmeichelhaften Empfang von D.s "Buch des Kabus" (Ruppert 1772). - Die mitgesandte Schrift "Vom Tulpen- und Narzissenbau in der Türkei" (von M. Lalézari, deutsch von D.; Ruppert 1773) sei ein Sonderdruck und gehöre zum in Kürze erscheinenden 2. Band der "Denkwürdigkeiten von Asien" (Ruppert 1762), den er G. zukommen lassen werde. Erläuterungen zum Inhalt; erwähnt: Homer und D.s "Der neuentdeckte oghuzische Zyklop". - Mitteilung der übersetzten Titelworte auf dem von G. übersandten Buchdeckel. Von diesem berühmten persischen Dichter Dschami habe er im 1. Band der "Denkwürdigkeiten" eine Gedichtprobe mitgeteilt. Ein Werk Dschamis mit dem auf dem Buchdeckel genannten Titel werde jedoch nicht bei B. d'Herbelot ("Bibliothèque orientale") nachgewiesen und finde sich auch nicht unter den Schriften, die D. selbst von Dschami besitze. Wahrscheinlich handele es sich um Dschamis Werk Geschenk für Freye ("Tuhfat abrar"; richtig: Geschenk der Freien). Falls G. die zugehörige Handschrift besitze, möge er sie D. zur weiteren Untersuchung zusenden. - Über den türkischen Roman "Wamik und Asra" (persisch von Unsuri, türkisch von Lamii) könne D. keine weitere Auskunft geben; er werde aber den in diesen Tagen als preußischen Gesandten nach Konstantinopel gehenden A. F. Senfft von Pilsach um Besorgung des Romans bitten. - D. sende seine Übersetzung des Achmed Ibn-Ibrahim "Wesentliche Betrachtungen, oder Geschichte des Kriegs zwischen den Osmanen und Russen in den Jahren 1768 bis 1774" (Ruppert 3484). Der Verfasser sei durch seine Gesandtschaften in Deutschland bekannt geworden und habe seiner Nation Ehre gemacht. - D. werde es immer [...] sehr schmeichelhaft seyn, G.s Fragen zu beantworten. - Bitte, D. bei der Suche nach dem Katalog der Gothaer Bibliothek über deren arabische Handschriften behilflich zu sein.
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