Normalzeugnis Zeugnis
S. G. Dittmar, Sommerreise von Halle nach Schnepfenthal (Gesellschafter 1831, 74)
Wieland hatte mich bei’m Weggehen mit den Worten entlassen: „wenn Sie zurückkommen, ersuche ich Sie wieder bei mir einzutreten, ich will ihnen das Seltenste von Weimar zeigen.“ Nach meiner Rückkunft war er eben im Begriff auszugehen und hatte es hinterlassen, wohin ich ihm nachfolgen sollte. Jetzt eilte er mit beschleunigtem Schritte in die Stadt und endlich in den herzoglichen Garten, den man den Stern nennt. Schon in einiger Entfernung erkannte ich vor einem runden Kaffeetischchen bei einem Pavillon, unter mehreren Personen, den Herzog, den ich einige Mal vor Halle einen Theil des preußischen Kriegsheers hatte Revue passiren gesehn. Vielleicht, dachte ich, will mich der Hofr. W. dem Herzog vorstellen –! In dieser Ungewißheit blieb ich allmählig zurück und aus einem dunkeln schattigen Baumgange, in welchen ich meine Zuflucht nahm, trat jetzt ein Gartenknecht mit der Harke auf der Schulter und folgte dem Hofrath Wieland auf seinem Wege in den Garten nach. Dieser, in der Meinung, daß ich ihm nachfolge, erklärt dem Herzog, daß er das Vergnügen habe, Sr. Durchlaucht einen Kandidaten aus Halle, der Garve’s Schüler gewesen, vorzustellen. „Wen? – meinen Gartenknecht? Einen solchen Kandidaten habe ich in diesem Menschen nicht vermuthet.“ Bertuch, Goethe, Musäus u.s.w. fingen an laut zu lachen und Wieland sah sich verwundernd um mit den Worten: „Ich habe doch einen fremden jungen Mann –.“ „Wahrscheinlich“, fiel der Herzog ein, „verloren. Ist es etwa“, auf einen hohen Baum zeigend, „der da oben?“ Ich war nämlich unterdessen auf einer Schneckentreppe, die, an und unter einer Linde(?) bis auf deren Gipfel hinauf gebaut war, zur höchsten Stufe gestiegen, wo mich der Herzog erblickte und durch einen Bedienten zum Kaffee einladen ließ.
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