Normalzeugnis Zeugnis
G. W. A. v. Pape an Goethe 24. 12. 1796 (Eing. Br. 1797, 24)
Als ich in Rom war und hörte der Herr Geheime Rath von Goethe sey in Rom nahm ich mir vor deßen Bekanntschaft nicht zu machen. Der Herr von Goethe dachte ich wird einen gewöhnlichen Menschen verachten, der wird dich kränken und dir den schönen Aufenthalt in Italien verleiden. In der Weihnachtsnacht heute vor 10 Jahren traf es sich von ohngefehr, daß die Kutsche in welcher ich mit Hirth und mit meinem Bruder fuhr die Kutsche des Herrn Geheimraths bei welcher eine Fackel war begleitete; wir fuhren um verschiedene Kirchen zu besuchen. Ich kam eben nach Tischbein, um in Gesellschaft zu fahren, als ein kleines Mahl bei welchem der Herr Geheimrath gegenwärtig gewesen war aufgehoben ward, ich dachte mir die schöne Freude welche da geherrscht haben mogte und es war mir leid die Gesellschaft verscheucht zu haben. In der Peterskirche ging der Herr Geheimrath mit Tischbein vor mir her, ich hatte das Gesicht des Herrn v. Goethe noch nicht recht gesehen und dessen Züge zu erblicken reizte mich mehr als der Anblick der wirklich in diesem Augenblick bei der schwachen Erleuchtung erhabenen Peterskirche. Je mehr ich von den Zügen sah je mehr ward ich angezogen und der Stolz der auf dem Gesichte lag flößte mir Vertrauen ein und stieß mich nicht zurück. Alles was wahr ist, dachte ich, ist diesem Gesichte nicht zuwider und es ward mir immer leichter und leichter in der Nähe dieses Gesichtes.
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