Brief

An Carl Fürst Lichnowsky (23. Januar 1811)

Ew. Durchlaucht haben mich zu Ende des Jahrs, das mir das Glück Ihres Wohlwollens verschaffte u in welchem ich so manches Erfreu liche durch Ihre Vermittlung genoß, mit einer Nachricht überrascht, die mich in Entzücken setzen mußte. Sie kündigen mir ein huldvolles Merkzeichen an, woraus mir die Ge wißheit werden soll, daß unsere allergnädigste Kaiserinn sich eines zwar entfernten aber gewiß, so sehr als die nahen, anhänglichen u devoten Die ners erinnern will. Wenn Ew. Durchlaucht bisher meiner gütig u gnädig gedacht, so setzen Sie ja nunmehr noch diese wohlthätige Ge sinnung fort u drucken gelegentlich, da Sie meine Empfindungen u Ge sinnungen köennen, auf eine gehörige Weise dasjenige aus, was so natür lich ist u wozu ich doch keine Worte finde. In diesen Tagen fand sich besuchte uns der Erbprinz von Oldenburg bey uns, welcher gerade von Wien kommend und unsere Ergebenheit u Anhäng lichkeit für die vortreffliche Monarchinn theilend, mit sehr viel Eifer u Leb haftigkeit ein Gespräch fortsetzte, welches der Herzog mein gnädigster Herr veranlaßt hatte, u woran Theil zu nehmen, man mir die Ehre erzeigte. Das gegenwärtige abzusenden habe ich einige Wochen aufgeschoben, so wie auch das beyliegende Schrei ben an des Herrn Grafen von Alt han Excellenz. Ich gedachte zugleich die Ankunft des sehnlich erwarteten kostbaren Geschenks zu melden; allein da es bis jetzt noch nicht angelangt, so will ich meine dank bare Freude nicht länger zurückhalten und Ew Durchlaucht von meiner fortdauernden, immer gleichen, ja durch diese neue Begünstigung noch mehr erhöhten Anhänglichen Gesinnung wenigsten mit Worten zu überzeugen suchen, bis ich in Erwiederung etwas Erfreuliches u Gefälliges Gefälliges u Erfreuliches leisten kann. Zu dem neulichen Verzeichniß wären noch Hebels Allemannische Gedichte zuzusetzen, welche auf alle Weise verdienen, unter unsern deutschen Werken beachtet zu werden. Was die Prosaisten betrifft, so ist freylich die Aufgabe schon etwas weit läuftiger u schwieriger, auch kommt man eher in Gefahr sich einer Aus lassungs- oder ParteylichkeitsSünde schuldig zu machen; doch hoffen wir uns auch dieses Auftrags schuldigst zu entledigen.

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