Brief
Von Friedrich Schiller (17. August 1795)
Da S. mit G.s Besuch gerechnet habe, habe er den Anfang des 6. Buches von "Wilhelm Meisters Lehrjahren" so lange behalten. Bedauern, nicht persönlich mit G. darüber sprechen zu können. Ausgehend von der Feststellung, daß G. den Gegenstand von keiner glücklichern Seite hätte fassen können, gibt S. eine ausführliche kritische Würdigung des Manuskripts mit Bemerkungen über das Eigenthümliche christlicher Religion: S. finde in der christlichen Religion virtualiter die Anlage zu dem höchsten und edelsten. Von allen monotheistischen Religionen unterscheide sich das Christentum durch Aufhebung des Gesetzes oder des Kantischen Imperativs, an deßen Stelle das Christenthum eine freye Neigung gesetzt haben wolle. Es ist also in seiner reinen Form Darstellung schöner Sittlichkeit [...], und in diesem Sinne die einzige aesthetische Religion [...]. / - Ihre Wünsche, die Epigramme betreffend, sollen pünktlich erfüllt werden. Zu den Druckfehlern in den "Römischen Elegien" im 6. Stück der "Horen". Freude über G.s Arbeitspläne für die "Horen" und Wiederholung seiner Fürbitte wegen Faust. - Trotz seines schlechten Befindens habe er Lust und Laune zu einigen Gedichten gehabt.
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